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Frust nach der Wahl
Heimbach- Eifel, 28.09.2017

Reichstag_Text.jpg Die etablierten Parteien zeigen großen Frust nach der Wahl, weil sie fast alle Federn lassen mussten. Aber auch viele Leser der „Dürener Zeitung“ sind davon betroffen. Es ist anzunehmen, dass diese Stimmung auch in anderen Regionen ähnlich ist. Auffallend die CDU-Sympathisanten, lassen ihren Frust in Leserbriefen freien Lauf, indem sie sich Martin Schulz vorknöpfen und ihn als „pöbelnden Stadtstreicher“ bezeichnen. So der Leser T. Freyaldenhoven aus Jülich! Wer so argumentiert, muss sich gefallen lassen, dass ihm selbst diese Eigenschaft zugeschrieben wird!

Natürlich wurde Schulz im TV-Duell benachteiligt, weil für den Herausforderer die wichtigen Themen wie:
Anspruch auf soziale Gerechtigkeit, Altersarmut, Kinderarmut und den reformbedürftigen Pflegedienst, die auf Wunsch des Kanzleramtes einfach ausgeklammert wurden! Selbst der Redakteur der „Dürener Zeitung“, Bernd Mathieu schrieb nach der Forderung eines von Merkel abgelehnten 2. TV-Duells, in seinem Kommentar mit dem Titel: „Das will sie nicht“ u.a.: „Dass das Kanzleramt bestimmen durfte, in welcher Form das erste und einzige TV-Duell ablaufen sollte, ist ohnehin skandalös. Es wäre ein Zeichen journalistischer Unabhängigkeit gewesen, dann ganz auf diese seltsame Inszenierung zu verzichten".

Martin Schulz hatte auch absolut Recht, dass Frau Merkel einige politische Ideen der SPD für neue Gesetze als ihre eigenen ausgegeben (also geklaut) hat. Beweis: So kam der Vorwurf aus den Reihen der CSU zustande, dass die Politik der Kanzlerin zu weit nach links gedriftet sei! Wenn Frau Merkel mal hart die Meinung gesagt wird, kommt dies schon einer Majestätsbeleidung gleich! Diese Art der vermeintlichen Unangreifbarkeit ähnelt bereits den Praktiken in totalitären Regimen! Aus so einem Regime, nämlich aus der DDR, ist Angela Merkel ja hervorgegangen und ist auch dort aktiv gewesen!

Der gleiche Leser, wie oben schon genannt, schrieb u.a. Wort wörtlich: „ … als ob die SPD nicht selbst an der Regierung beteiligt gewesen wäre. Nein, Größe hätte er (Schulz) gezeigt, wenn er ohne Wenn und Aber zurückgetreten wäre. Aber davon hat der Kerl noch nichts gehört.“ Diese despektierliche Äußerung spricht wieder für sich.

Lieber Herr Freyaldenhoven und den anderen, die immer wieder ihre Ressentiments hervorkehren, in dem sie der SPD vorhalten, sie sei doch 4 Jahre in der GROKO mitverantwortlich gewesen, sei ins Stammbuch geschrieben:
1.) Die Richtlinienkompetenz in der Regierung hat immer noch lt. Artikel 65 des Grundgesetzes der Kanzler/ oder die Kanzlerin. Also ist jetzt klargestellt, die SPD hatte als „Junior-Partner“ in der CDU-geführten Regierung nur eingeschränkte politische Optionen!

2.) Konnte M. Schulz nicht aus der Regierung zurücktreten, weil er ihr als Minister nicht angehörte. Warum sollte er das dann aber in der SPD tun, die doch 100 prozentig hinter ihm steht?

3.) Lt. Herrn Freyaldenhoven ist Martin Schulz ein „Sprücheklopfer, der bald mit der SPD in Richtung 10% geht und somit zur Splitterpartei wird! “. Das Attribut „Sprücheklopfer“ kann dieser Herr wieder auf sich selbst beziehen!

Martin Schulz ist aber ein ausgezeichneter Rhetoriker mit guten Argumenten, dem Frau Merkel nicht das Wasser reichen kann! Er ist ein kompetenter Politiker, der ein Herz hat für die sozial Schwächeren und „Abgehängten“ in diesem Lande, in dem lt. Frau Merkel angeblich „Alle gut und gerne leben können“! Welche Ignoranz gegenüber 2,3 Millionen armer Kinder, vieler alleinerziehender Mütter und den vielen Zweit-Jobbern (Tendenz steigend), weil sie die hohen Mieten nicht bezahlen können; nicht zu vergessen, die Leute, die die „TAFEL“ aufsuchen müssen, um satt zu werden!

Der Rückzug der SPD in die Opposition war eine vollkommen richtige Entscheidung! Martin Schulz hatte im Wahlkampf immer wieder betont: „Mit mir wird es eine Koalition mit der CDU unter Kanzlerin Merkel nicht geben!

Fazit: Die SPD muss in den Köpfen der Wähler wieder wahrgenommen, präsenter und glaubwürdiger werden. Wenn sie dem Werben der Kanzlerin nachgeben hätte und mit ihr wieder eine große Koalition eingegangen wäre, befände sie sich sehr bald in völliger Bedeutungslosigkeit! Die CDU-„Mutti“ sitzt jetzt endlich mal in der Zwickmühle, woraus sie sich nicht so einfach wie sonst gewöhnlich wegducken und herauswinden kann. Eine neue Regierungskoalition mit den Grünen und der FDP wird enorm schwierig, weil sich zuerst die CDU mit der sogenannten „Schwesternpartei“ CSU auseinander setzen muss! Da sind jetzt also insgesamt 4 Interessenvertreter, die zum Teil ihre diametral gegensätzlichen, politischen Ansichten durchsetzen wollen. Der SPD soll es recht sein, sollen die 4 sich doch verbal die „Köpfe einschlagen“, vielleicht führt das Alles kurz über Lang zu Neuwahlen? Warten wir’s ab.

Zum Schluss schlage ich vor, das alle ihren Wahl-Frust abbauen, indem sie sich mit den aktuellen Begebenheiten abfinden und die Schuld der verkorksten Wahl bei sich selbst und der eigenen Partei suchen, aber alle anderen Politiker fair behandeln.
Friedhelm Rubach

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