Wie geht es weiter im Irak?

Heimbach-Eifel, 11.04.2003
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Die Hauptstadt Bagdad ist nun fest in der Hand der amerikanischen Streitkräfte. Noch wird im Irak an einigen Stellen gekämpft, doch das totale Ende des Saddam-Regimes ist nah. In den von Amerikanern kontrollierten Gebieten werden Standbilder des Diktators vom Sockel gestürzt und Saddam-Symbole vernichtet.

Die von den Amerikanern mit beispiellosem Bombardement begonnene Zerstörung der öffentlichen und auch privaten Einrichtungen wird jetzt unter chaotischen Zuständen von der irakischen Bevölkerung selbst fortgesetzt, indem sie sich in eskalierenden Plünderungen aneignen, was nicht niet- und nagelfest ist. Mit Brandlegungen und anderen anarchistischen Aktionen berauben sie sich selbst der Möglichkeit einer schnellen Rückkehr zu geordneten Verhältnissen und der notwendigen Selbstverwaltung.

Die liegt aber noch in weiter Ferne. Zunächst haben Bush und Blair bei ihrem Treffen in Belfast klar umrissen, dass der amerikanische Offizier Jay Garner die Geschäfte führen und eine Organisation leiten soll, die sich großspurig "Office of Reconstruction and Humanitarian Organisation" (Büro für Wiederaufbau und humanitäre Organisation) nennt. Der Charakter einer Militärregierung im Irak wird damit offenbar, da Garner's unmittelbare Vorgesetzte General Franks und Kriegsminister Donald Rumsfeld sind.

Es darf angezweifelt werden, dass diese Organisation wie vorgesehen, innerhalb drei Monaten eine irakische Übergangsregierung auf die Beine stellen kann. Wie unter dem Hussein-Regime sollen dann 23 Minister die Regierungsgeschäfte übernehmen. Der Irak-Kenner Henner Fürtig vom Hamburger Orient Institut ließ in einem Interview erkennen, dass schon jetzt "ein Hauen und Stechen" um die Besetzung der künftigen Ministerposten eingesetzt hat.

Bis es aber so weit ist, dass der Irak wieder eine eigene Regierung und eine demokratische Verfassung besitzt, läuft sicher noch viel Wasser Euphrat und Tigris hinunter. Während dieser Zeit haben sich amerikanische Firmen mit Sicherheit fest im Irak etabliert und verdienen kräftig am Wiederaufbau. Nicht zuletzt werden die Öl-Ressourcen des Irak, wenn nicht fest in der Hand amerikanischer Konzerne, so doch zumindest unter amerikanischer Ober-Hoheit sein. Was ja auch einer der Hauptbeweggründe der militanten G.W. Bush-Politik war.

Je länger aber eine amerikanische Besatzung im Irak dauert, desto größer wird die Gefahr eines nationalen irakischen Traumas, ist doch die letzte Besatzungszeit durch die Briten zwischen 1920 bis 1958 noch gar nicht so sehr lange her, gemessen an geschichtlichen Zeiträumen.

Aber zurück zu den Aussichten einer Demokratisierung und Konstitution einer neuen Regierung im Irak. Im Gegensatz zu den anderen Staaten im nahen und mittleren Osten spielt die Religion im Irak bei weitem nicht die zentrale Rolle, wie sie oft im Westen angesehen wird. Das liegt zum einen an der langen Besatzungszeit (1920-1958 Briten), aber auch an der langen Regierungszeit der Baath-Partei und deren nationalistischer Politik. Natürlich gibt es eine ausgeprägte individuelle Frömmigkeit, was aber noch lange nicht bedeutet, dass die Schiiten, die 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen, allesamt Islamisten sind.

Die Kurden im Norden Iraks, die lange vom Hussein-Regime unterdrückt und zu leiden hatten, stellen auch einen Grossteil der irakischen Bevölkerung dar. Es ist wohl anzunehmen, dass die Kurden den Norden des Landes zumindest als autonomes Gebiet für sich beanspruchen, wenn sie nicht gar einen eigenen Staat dort gründen wollen, unter argwöhnischen Augen der Türken. Das könnte wiederum die Schiiten veranlassen, auch einen eigenen Staat im früheren Saddam-Reich zu gründen, oder aber im "Rest-Irak" (ohne Kurden-Territorium) nunmehr das Sagen haben zu wollen, da sie ja auch von Hussein unterdrückt waren.

Wie dem auch sei, zuallererst muss die Versorgung der Bevölkerung in Gang gebracht werden. Ob das mit Hilfe der UNO gelingt, hängt davon ab, wie selbstherrlich die Bush-Politik weiterhin agiert.

Jedenfalls können die üblichen Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz, Roter Halbmond, etc. jetzt schon die erste Not im Irak lindern. Eine deutsche Beteiligung der Irak-Hilfe wurde vom Kanzler angedeutet, die aber wieder in die Aktionen der UNO "eingebettet" sein soll.

Eine finanzielle Hilfe durch Spendenaktionen, für die bereits im TV aufgerufen wird, halte ich persönlich für verfrüht. Man weiß ja nicht genau, ob die Gelder in falsche Hände gelangen, zum Beispiel in die des zur Zeit plündernden und marodierenden Mobs, oder aber von der amerikanischen Militärregierung verwaltet werden, was gleichbedeutend sein könnte.

Beobachten wir aufmerksam die künftige Entwicklung im Irak, sie könnte noch lange im Brennpunkt des Weltgeschehens liegen.

Friedhelm Rubach

 

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