Klima-(kterium)

Heimbach-Eifel, 11.08.2003
Bild-Grau_C-right.jpg

Im Hochsommer, wenn alle Welt in den Ferien Erholung sucht und zumal sich in der Politik wenig oder fast nichts bewegt, nehmen sich die Gazetten alle Jahre wieder das obligatorische Thema "Sommerloch" vor. Da werden zum Beispiel die provozierenden Äußerungen eines pubertierenden CDU-Jungpolitikers von den Medien bereitwillig aufgegriffen, um eben das sich riesenhaft auftuende Sommerloch zu füllen.

Ebenfalls in die Schlagzeilen geraten sind in diesem Sommer die sich fast täglich steigernden Hitze-Rekordtemperaturen im Lande und in ganz Europa. Alles stöhnt und leidet in diesen Hundstagen über die ungewöhnlich hohen Temperaturen. Auch ein Thema für das Sommerloch? Für sich allein gesehen sind die Hitze-Rekorde schon ein Sommerloch-Thema. Wertet man aber die globalen Wettermeldungen nur der letzten 24 Monate aus, kommt man zu einem alarmierenden Ergebnis: Verheerende Wirbelstürme mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 KMh, Sintflutartige Regenfälle mit Hochwasserfolge, im Gegenzug dann extreme Trockenheit von nie gekannten Ausmaßen, die die Vegetation ganzer Landstriche verdorren lässt und Waldbrände zur Folge hat. Die Wüstengebiete der Erde breiten sich rasant aus. Fortschreitender Gletscherschwund nicht nur im Hochgebirge, sondern auch in arktischen Regionen.

           Was ist nur mit dem Klima auf unserem Planeten los?

   Fakt ist, das Erdklima ist in einem Wandel begriffen. Das Belegen zahlreiche Daten und Aufzeichnungen der Meteorologen. Gegenwärtig verändert sich das europäische Wetter und folgt keinen ersichtlichen Wettercharakteristiken oder Regeln. Das heißt, wir befinden uns in einer größeren Umbruchsphase des Wetters.

   Deutliches Kennzeichen war die enorm gesteigerte Tiefdrucktätigkeit über dem West und Nordatlantik, was uns zunächst einen feuchten und kühlen Sommer 2000, aber dann einen milden Winter, mit Frühlingshaften Temperaturen bis Anf. Dezember, 2000-2001 bescherte. Die Flutkatastrophen in 2002 an Elbe und Oder sind ebenfalls charakteristische Anzeichen für eine Klimaveränderung.

   Bild-Grau_C-right.jpg Langjährige Datenanalysen zeigen einen Trend zu sehr heißen Sommern mit extremen Hochdrucklagen und extrem wenig Regen, wie wir es in diesem Jahr bereits erleben. Eiskernbohrungen haben bestätigt, dass während einer Warmphase des Wetters fast die gesamte Tiefdrucktätigkeit zum erliegen kommt. Eine fortschreitende Erwärmung in den arktischen Zonen, wie sie zur Zeit tatsächlich gemessen wird, führt zwangsläufig zum Erliegen des heftigen Luftmassenaustausches zwischen den Tropen und den polaren Zonen, der bisher in Europa für das gewohnt wechselhafte Wetter sorgte.
Was wird, wenn die Polarkappen schmelzen, das Eismeer sich erwärmt und somit der Austausch zwischen dem warmen Wasser aus dem Golf von Mexiko und dem Eismeer nicht mehr statt findet, also der Golfstrom ausfällt?

         Kann der Mensch das Klima für sich noch positiv beeinflussen?

   Die Umweltexperten sind in zwei Lager gespalten, die einen vertreten die These, dass die Klimaveränderung "hausgemacht" ist, das heißt, der Mensch hat durch den immensen Ausstoß von Industrieabgasen den Kohlendioxidgehalt der Luft auf ein vielfaches vermehrt und so den Treibhauseffekt verursacht, der die globale Erwärmung der Erde zur Folge hat.
Hier wird der Standpunkt vertreten, dass der Mensch mit dem von ihm verursachten Emissionen eine sehr schnell wirkende Erwärmung der Atmosphäre erzeugt hat, die die bisherigen natürlichen Erdzyklen deutlich an Geschwindigkeit übertrifft. Neben dem Gas Kohlenstoffdioxid spielt nach neueren Forschungen auch der Wasserdampf eine entscheidende Rolle bei der Erwärmung der Erdatmosphäre.

   Die Gegner dieser Theorie behaupten, Klimaveränderungen der Erde hat es schon immer gegeben und sei eine ganz natürliche Sache. Auch den Treibhauseffekt, hervorgerufen durch Vulkanausbrüche, habe es selbst schon in grauer Vorzeit gegeben und die Atmosphäre hat sich immer wieder in den Zustand regeneriert, der für Lebewesen zum Atmen wichtig ist.

   Nur hat wohl die letztere Expertengruppe außer acht gelassen, dass die Emissionen auf dem Globus durch die Zunahme der Weltbevölkerung nicht weiter sinken, sondern im Gegenteil noch steigen werden. Wenn dann noch natürliche CO2-Werte, wie sie ausbrechende Vulkane in die Luft blasen, hinzukommen...

   Bild-Grau_C-right.jpg Eine dreijährige Studie, die rechtzeitig zum Beginn der Weltklimakonferenz 1999 fertiggestellt wurde, trifft düstere Prognosen. Die Wissenschaftler vom Hadley Centre, einem Teil der britischen "Meteorogical Office" in Bracknell haben drei Szenarien für die zukünftige Entwicklung des Klimas entwickelt. Dabei kam heraus, dass pazifische Inseln wie Kiribati und Tuvalu auch bei günstigsten Prognosen dem Untergang geweiht sind, genauso wie die Malediven im Indischen Ozean.

   Im günstigsten Fall gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Kohlendioxidanteil in der Luft nur auf das zweifache des vorindustriellen Anteils steigt - also nur 50 Prozent mehr als momentan. In diesem Fall könnte der tropische Regenwald am Amazonas noch überleben. Wenn die Kohlendioxidkonzentration im gleichen Maße steigt wie bisher, tötet dies bis zum Ende des nächsten Jahrhunderts viele Wälder weltweit - inklusive Amazonas.

   Auch wenn man die Kohlendioxid-Konzentration auf einen mittleren Wert zwischen 550 und 750 ppm (parts per million) stabilisieren könnte, wäre der Regenwald am Amazonas dem Untergang geweiht. Dieser würde nur um 100 Jahre hinausgezögert.

   Sicher ist jedoch, dass der Meeresspiegel um zwei Meter steigen wird. Kein noch so strenger Beschluss auf einer Klimakonferenz könnte hier noch etwas ändern, denn die Wassermassen der Ozeane werden sich noch Hunderte von Jahren nach der Stabilisierung der CO2-Werte ausdehnen. Dies liegt daran, dass die Erwärmung des Wassers in den Tiefen der Ozeane sich sehr lange hinzieht - und damit auch die Ausdehnung des tieferliegenden Wassers infolge der Erderwärmung.

   Wenn nicht alle Nationen der Erde an einem Strang ziehen und der Umweltbelastung den Kampf ansagen und sofort die handeln, sieht es in Zukunft wirklich düster mit unserem Klima aus. Zum Optimismus besteht wirklich kein Anlass, dass man sich auf einer Klimakonferenz einig wird, solange einer der größten Luftverschmutzer und Energieverschwender, die USA, solchen Konferenzen fernbleibt.

Friedhelm Rubach

 

Mich würde es sehr freuen, wenn dieser Artikel ein Leser-Echo im "Forum" hervorrufen würde. Scheuen Sie sich nicht, Kommentare und auch Kritiken sind immer willkommen.


Oder sieht der Leser dieses Artikels das anders? Zu diesem, oder zu einem völlig anderen Thema, wird dem Leser Gelegenheit gegeben, seine eigene Meinung hier verbreiten zu können, nämlich im "Forum" von "Bunny's Field", Link zum Forum

Wieder nach oben
Zurück zur Hauptseite