Alte Erbfeindschaft neu belebt

Heimbach-Eifel, 19.09.2003

Bild-Grau_C-right.jpg Die Vergangenheit hat uns wieder einmal eingeholt - zur Erinnerung:
Mit dem Slogan "Neue Ostpolitik" wurde 1963 die Ost-West-Entspannungspolitik eingeleitet und gipfelte 1970 unter Führung der sozial-liberalen Koalition (SPD/FDP) in den Abschlüssen der Moskauer und Warschauer Verträge, die der Anfang vom Ende des sogenannten "kalten Krieges" waren.


   Beleuchten wir einmal explizit den Warschauer Vertrag:

   Im Mittelpunkt stehen dabei drei Probleme: die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, die Aussiedlung von in Polen verbliebenen Deutschen und eine Wiedergutmachung für NS-Verbrechen. Am 7. Dezember 1970 kann der Warschauer Vertrag unterzeichnet werden. Er definiert die Oder-Neiße-Linie als "die westliche Staatsgrenze der Volksrepublik Polen". Beide Seiten verzichten auf territoriale Ansprüche und Gewaltanwendung bei der Lösung offener Probleme.
Bild-Grau_C-right.jpg Bei der Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer des Warschauer Ghettoaufstands von 1943 geschieht etwas völlig Unerwartetes: Bundeskanzler Willy Brandt kniet für alle Deutschen nieder, um der Toten zu gedenken. Das Bild geht um die Welt.

Kritiker und Opposition verurteilten die "Verzichtspolitik" und den "Ausverkauf der deutschen Interessen". Gemeint waren der Verzicht auf die ehemaligen Reichsdeutschen Provinzen Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Oberschlesien und Westpreußen, der mit diesem Vertrag endgültig besiegelt wurde. Befürworter sprechen sich dagegen für eine Anerkennung der politischen Realitäten in Europa aus. Für seinen Beitrag zur Entspannung in Europa erhält Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) 1971 den Friedensnobelpreis.

   Mit dem Kniefall vor dem Mahnmal der Opfer des Warschauer Ghettoaufstands zeigte Willy Brandt, selbst ein Verfolgter der Nazis, dem polnischen Volk die deutsche Trauer um die Opfer und demonstrierte so eine Art Kollektivschuld.

   Unbestritten ist die Gewaltherrschaft während deutscher Besatzung in Polen und sind vor allem die Verbrechen, die insbesondere an jüdischen Polen begangen wurden. Diesen Opfern gedachte Willy Brandt ehrfürchtig an jenem denkwürdigen Tag.

   Aber nicht nur die Polen haben während des Krieges unsägliches Leid ertragen müssen, fast ebenso schlimm erging es den vertriebenen Deutschen, die ihre Heimat, sowie Hab und Gut verlassen mussten, weil die deutschen Ostgebiete mit Beschluss der Siegermächte an die Polen fielen. Auf dem großen Treck der Vertriebenen ins westliche Deutschland sind von den Polen ebenfalls verbrecherische Übergriffe begangen worden. Vergewaltigung der Frauen, Erschießungen auch unschuldiger Deutscher (nicht nur Nazis!) waren an der Tagesordnung. Es muss das mal in aller Deutlichkeit offenbart werden! Der Hass auf alles Deutsche kannte in jenen Tagen keine Grenzen.

   Nun beabsichtigt der Bund der Vertriebenen fast 60 Jahre nach Ende des Krieges ebenfalls den Opfern ein Denkmal zu setzen, die ihre Heimat verlassen mussten und unterwegs vor Hunger, Kälte und Erschöpfung starben oder von rachedurstigen Polen umgebracht wurden.

   Der Plan für ein Mahnmal "Zentrum gegen Vertreibung" erzeugte einen Aufschrei der Entrüstung in ganz Polen und führt in vielen Fällen zu purer Hetze gegen Deutsche. Unversöhnlicher Hass schlägt plötzlich wieder dem Deutschtum entgegen. Die Zeitung "Wprost" präsentierte den Deutschen seine Reparationsrechnung in Höhe von 1 Billion (tausend Milliarden) Euro. Das seien die Deutschen den Polen noch schuldig!

   Das Wort "wieder" im vorletzten Satz ist vom Autor mit bedacht gewählt worden. Schon seit langer Zeit waren sich die Nachbarn Polen und Deutsche nicht "grün". Schon nach dem 1. Weltkrieg, als in Deutschland noch keine Nazis herrschten, trachteten die Polen nach einigen deutschen Gebieten. Nicht von ungefähr bildete sich zum Beispiel in Oberschlesien eine Art Bürgerwehr, um Deutsche vor polnischen Übergriffen zu schützen zu können.

   Ungeklärt bis heute ist auch der bewaffnete Überfall und Besetzung des Senders Gleiwitz am 31. August 1939. "SS-Männer in polnischer Uniform überfielen den Sender, um Hitler einen weiteren Vorwand zum Einmarsch in Polen zu liefern", war die Erklärung von polnischer Seite nach dem Krieg. Aber auch nicht bewiesen ist die Behauptung der Nazis, dass es tatsächlich Polen waren, die sich den Weg zum Gleiwitzer Sender frei schossen und vorübergehend besetzten, bis sie schließlich aufgeben mussten.

   Wenn man so die Geschichte betrachtet, können sich die Polen keineswegs nur als Opfer ausgeben. Sicher, es ist auch wahr, dass Polen einige Zeit als Staat von der Landkarte verschwunden war. Das lag aber nicht nur an den Deutschen, sondern der andere mächtige Nachbar im Osten, Russland hatte unersättlichen Gebietshunger. Aus dieser Zeit stammt auch der Text der polnischen Nationalhymne: "Noch ist Polen nicht verloren".

   Verloren ist auch noch nicht die Chance, dass sich die beiden Nachbarn, Deutsche wie Polen, vertragen und endlich einmal die schreckliche Vergangenheit ruhen lassen, denn schließlich werden sie in naher Zukunft Partner in einem (hoffentlich) friedlichen europäischen Haus.

Friedhelm Rubach

 

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