Reiches, armes Deutschland

Heimbach-Eifel, 10.07.2004
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Deutschlands neue Klassengesellschaft.

Denken wir mal 30, 40 Jahre zurück, Deutschland wurde da allgemein als klassenlose Gesellschaft propagiert und die Realität entsprach auch fast diesem Klischee.

Wir befanden uns auch in der Zeit des "kalten Krieges". Die Fronten waren klar abgesteckt, hier in westlicher Hemisphäre die "Soziale Marktwirtschaft" im Schutz der NATO, dort der Ostblock unter kommunistisch, sowjetischer Machtherrschaft und Militärdoktrin.

   Das "Wirtschaftswunder" der Nachkriegszeit begann sich zwar da schon abzuschwächen, wirkte aber immer noch nach, sodass es sich in Deutschland ziemlich gut leben ließ. Sicher gab es damals auch Millionäre, doch die Kluft zwischen "Arm" und "Reich" hielt sich in Grenzen.

Bild-Grau_C-right.jpg Die Situation änderte sich am 9. November 1989 schlagartig mit dem Fall der Mauer, die das deutsche Volk seit dem 13 August 1961 trennte.

   Die Hegemonie des Kommunismus im Osten war gebrochen, die Deutschen jenseits des ehemals "eisernen Vorhangs" waren frei. Es offenbarte sich aber auch gleich, dass die Wirtschaft der ehemaligen DDR, vordem mit staatlichen Mitteln am Tropf gehangen, am Boden lag.

   Nach westlichen Maßstäben waren sie nicht mehr konkurrenzfähig, viele Betriebe wurden geschlossen und die Beschäftigten "freigestellt", das heißt, sie wurden Arbeitslos. Trotz der Kampagne "Aufbau Ost", wo viele Milliarden in den östlichen Teil Deutschlands gepumpt wurden und bis heute noch werden, bleibt die Zahl der Arbeitslosen dort unverhältnismäßig hoch. Im Juni 2004 waren laut Statistisches Bundesamt allein in den "neuen Ländern" 1.564.000 Menschen ohne Arbeit, darunter fast 580.000 Langzeitarbeitslose. Die Belastungen des Staatshaushaltes sind durch die Zahlungen der "Stütze" enorm hoch.

   Im gleichen Zeitraum verzeichnete man eine große Zuwanderung von Asylbewerbern und Russlanddeutschen in die Bundesrepublik, die allesamt wiederum große Löcher im Staatssäckel verursachten. Manche "urdeutschen" Sozialhilfeempfänger, aber auch andere, weniger betuchte Menschen sahen sich subjektiv, manche sicherlich aber auch zu Recht benachteiligt.

   Insgesamt ist eine zunehmende Einkommensarmut in Deutschland zu beobachten. Dazu ließ ein lückenhaftes Hilfesystem die Zahl der Obdachlosen kontinuierlich ansteigen - nach Schätzungen der BAG von circa 23000 (1992) über rund 43000 (1994) auf 76000 im Jahr 1998. Nach neuesten Schätzungen sind die Zahlen aber rückläufig.

   Kann man da noch von einer Wohlstandsgesellschaft in Deutschland sprechen?
Ja, man kann und wiederum nicht!
Denn ebenso sprunghaft wie die Verarmung in Deutschland zunimmt, steigt auch die Zahl der Millionäre und Milliardäre!
Sehr verallgemeinert kann man sagen: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer"!

   Tatsächlich hat sich in Deutschland eine Zwei- oder auch Drei-Klassengesellschaft gebildet! Die Zeit der sogenannten "klassenlosen Gesellschaft" ist also endgültig Geschichte.

   Nicht ohne Grund habe ich weiter oben die politische Lage vor Jahrzehnten geschildert, ich sehe die Lage zwischen damals und heute in einem engen Zusammenhang. Sie ist zwar nur eine Hypothese, könnte aber den Nagel auf den Kopf treffen.

   Damals standen sich die gegensätzlichsten Systeme in ständiger (Atom-)Kriegsbedrohung gegenüber, nämlich Kapitalismus und Kommunismus. So absurd das klingen mag, es hatte auch etwas Gutes, im Westen konnte der Kapitalismus nicht sehr ausufern, wer wusste denn genau, ob der Kommunismus nicht doch siegte? Es war also das Gegengewicht im Osten, das die Entwicklung zum radikalen Kapitalismus ausbremste.

   Und heute?

   Die kommunistische Sowjetunion und der Ostblock sind verschwunden und Gott sei Dank mit ihnen der nukleare Alptraum. Und wieder eine Paradoxie! Das fehlende Gegengewicht im Osten leitete eine Wende ein, die letztendlich zum puren Kapitalismus führt!

   Diese Wende ermöglicht erst einer gewissen "Oberschicht", ihr schon vorhandenes Vermögen zu vervielfachen. Ob immer auf legale Weise, ist sehr zweifelhaft. Selbst in Russland wuchsen die Milliardäre plötzlich wie Pilze aus dem Boden.

   Setzt man die Einnahmen der Krösusse ins Licht, so fahren sie ihren Profit oft bei den geringverdienenden ein. Wie das? Die meisten Superreichen ernten auf dem Feld in der Medienlandschaft oder beim Sport! Heutzutage muss man nur in den Medien oder im Sport bekannt werden, schon fließen die Gelder, oft in Millionenhöhe. Die Zeche bezahlen dann die Zuschauer, ob mit Ticket bei einer Live Veranstaltung, oder zu Hause am TV als "Zwangszahler" bei der GEZ.

   Das ist aber nur eine Gruppe der Superreichen. Die andere gehört dem Konzern-Management und dem oberen Bankpräsidium an. Dort scheut man sich nicht, Großkonzerne zu verhökern und sich dafür noch horrende "Abfindungssummen" in Zig-Millionenhöhe zu gönnen! Das Tollste ist aber, dass sie ihre kostbaren Schäfchen im Ausland ins Trockene bringen und dem deutschen Fiskus eine lange Nase machen, "ätsch", mit uns nicht!

   Die Kehrseite des Reichtums in Deutschland ist die zunehmende finanzielle Belastung der Arbeitnehmer und der Rentner, die man der zweiten Klasse zuordnen kann. Diese Gruppe hat das "durchsichtige Portemoney" und ist damit nicht in der Lage, Steuerhinterziehungen zu begehen. Hinzukommen die immer teurer werdenden Medikamente einschließlich Zuzahlungen und Praxisgebühr. Neuerdings sollen Arbeitnehmer auf einen Teil des Jahresurlaubs verzichten, und/oder mehr Arbeiten, ohne einen Lohnausgleich zu bekommen. Wie zum Hohn wird dieser Gruppe Solidarität zugemutet, wenn für Notleidende in der Welt gespendet werden soll. Spenden sollten doch, verdammt noch mal, jene Firmen, die zum Beispiel Sportler oder Sportklubs sponsern, die eh mit den Millionen umgehen, als wären es Peanuts. Im Rennsport werden Fahrer mit Zig-Millionen fürstlich belohnt, während dagegen Fußballtrainer nur mit einstelligen Millionen auskommen müssen. Wirklich soziale Härtefälle!

   Selbst im Vatikan kann man es sich leisten, für 10 Millionen Umbauarbeiten auszugeben, damit der heilige Vater sein Urlaubsdomizil rollstuhlgerecht vorfinden kann. Dafür fehlt z.B. für Kindergartensanierungen dann das Geld! Die Liste der Superverdiener und Geldverschwender könnte beliebig lang fortgesetzt werden, allein es fehlt hier der Platz.

   Aus diesem Artikel spricht wirklich nicht der so genannte "Neid der Besitzlosen", ich gönne jedem einen ehrlich und mit Fleiß erworbenen Reichtum, wenn es dann auf diese Weise überhaupt gehen mag.

   Aber so, wie sich die Gesellschaft heute darbietet, kann es eigentlich nicht sehr lange Gutgehen. Man sei durch die Geschichte gewarnt. Das Volksvermögen ist sehr ungerecht verteilt und man muss sich nicht wundern, wenn eines Tages die "kleinen Leute" wieder einmal aufbegehren und eine Revolution in Gang setzen, hoffentlich dann nicht mit brutaler Gewalt und Blutvergießen.

   Bei dieser schlimmen Zukunftsvision muss man befürchten, dass der Ernstfall irgendwann eintreten könnte, denn welche Generation hat schon aus der Geschichte gelernt?

Friedhelm Rubach

 

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