Ehre, ein materieller Wert?

Heimbach, 24.03.2005
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Jürgen Klinsmann und Meyer-Vorfelder rechtfertigen 300.000 Euro-WM-Prämie.

exclame.gif Es könnte durchaus sein, dass mir fanatische Fußballfans diesen Artikel übel nehmen. Alle Fans, die nur stur in eine Richtung schauen können und alles gut finden, was irgendwie mit dem "eigenen Verein" oder auch mit dem DFB-Team zusammenhängt, mögen hier nicht weiter lesen.

logo_WM2006.jpg Bekanntlich findet die Fußballweltmeisterschaft 2006 in deutschen Stadien statt. Das Projekt Weltmeister im eigenen Land zu werden, will Teamchef Jürgen Klinsmann mit seinen Kickern im nächsten Jahr verwirklichen. Mit neuen Methoden, die der Wahlamerikaner aus den USA mitgebracht hat, will Klinsmann die Vorbereitungsphase mit radikalen Neuerungen und Veränderungen angehen. Dazu gehören nicht nur massiv geänderte und spezielle Trainingseinheiten, sondern auch psychologische Momente, die laut Insidern über Persönlichkeitsformung, Überwachung und Konkurrenzkampf bis hin zur Gehirnwäsche reichen. Selbst verbreitet Klinsmann mit permanentem Lächeln Optimismus aller Orten, so dass der unbefangene Beobachter versucht ist, in dem Teamchef eine Art Guru oder auch Sektenprediger zu sehen.

Bild-Grau_C-right.jpg In einem Interview erläuterte Klinsmann seine Methoden und seine Philosophie: "Wir haben ihnen (den Spielern) gesagt, worauf wir achten, wir achten auf Fitness, wir achten auf Persönlichkeit, wir achten auf die Lebensweise auf dem Platz und jenseits des Platzes". In der Vorbereitung auf die WM 2006 und das große Ziel Weltmeister zu werden, meißeln Klinsmann und sein Co-Trainer Löw in die Köpfe der Nationalspieler die großen Vorbilder ein und bemühen dabei die Historie von den Titeln 1954, 1974 und 1990.

Das neue Selbstbewusstsein der Trainer und ihres Teams gipfelt in der Vision und Behauptung, mit einem WM-Titel 2006 dem Wirtschafts- und Politikstandort Deutschland neue Impulse zu geben. Ebenfalls in einem Interview sagte Nationalspieler Markus Babbel u.a.: "Wenn die Leute sehen, dass die Jungs arbeiten und sich zerreißen fürs Vaterland, wäre das gut für die Stimmung im Land." und weiter: "Das könnte womöglich einen Aufbruch bewirken".

Ja wirklich, einen Aufbruch und Erfolg haben die Elitekicker jetzt schon geschafft, indem sie für den Fall der Erringung des Titels vom DFB einen horrenden Betrag ausgehandelt haben. Jeder einzelne Nationalspieler bekäme dann sage und schreibe 300.000 Euro ausgezahlt!
So viel Geld hat noch nie ein Nationalspieler einstreichen können, der bei der WM 1974 und 1990 dabei war, von 1954 ganz zu schweigen. Zum Vergleich: Die Mannen um Fritz Walter bekamen 1954 DM 2500 und eine Wachmaschine! 1992 hatte der Spielerrat für die Erringung des Titels schon 92.000 Euro mit dem DFB ausgehandelt, und das war m.E. weit überzogen!

Dreihunderttausend Euro, dafür muss eine alte Frau lange stricken! Man bedenke, die Spieler bekommen während der Dauer des Turniers von ihren jeweiligen Vereinen laut Vertrag die vollen Bezüge weiter! Präsident Meyer-Vorfelder äußerte sich zu der Sache so: "Wenn Deutschland wirklich Fußballweltmeister wird, werden die Leute in allgemeiner Euphorie den Spielern dieses Geld gönnen!" Welch einfältige Aussage! Im Metier Fußball hat man jeden Bezug zum normalen Geldgeschäft verloren. Da werden Millionen, nicht nur für einen einzelnen Spielerkauf, verpulvert, als ob es Peanuts wären!

Dieter Hildebrandt, damals noch in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, sagte einmal zu einem anderen haarsträubenden Fall: "Da kann man sich doch nur an den Arsch fassen, der Kopf ist mir dafür zu schade!" Dieser Satz passt heute haargenau auch zu den WM-Prämien für 2006.

Es war einmal, und das war nicht in märchenhaft uralter Zeit, da waren Fußballspieler noch stolz und betrachteten es als eine Ehre, für Deutschland in der National-Elf zu spielen! Nur für die Ehre und vielleicht im laufe der Zeit auch für wenig Geld.

Heute schämt man sich nicht zu sagen: "Es ist eine Ehre, uns bei der WM für das Vaterland zu zerreißen" und meinen in Wirklichkeit die Prämie von 300.000 Euro.
Man könnte eigentlich den Umkehrschluss ziehen, die Ehre hat für den Nationalspieler den Wert von 300.000 Euro. Additiv zu rechnen, der Wert des WM-Kickers auf dem Transfermarkt schnellt in zweistellige Millionenhöhe.

Zwei Fragen seien zum Schluss noch gestattet: Was treibt eigentlich den "Otto-Normalverdiener" oder gar den Arbeitslosen dazu, sich teure Eintrittskarten für ein Fußballspiel zu kaufen? Und warum der Fan herzzerreißende Emotionen und/oder wilde Aggressivitäten im Stadion freien Lauf lässt, wenn "sein Verein" gewinnt oder verliert?

Friedhelm Rubach


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Ich finde das sehr schade, aber was will man machen?
Stand 24.03.2005

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