Jugendliche Gewalttäter
Heimbach-Eifel, 22.01.2008

oldmen-baseballbat-stop.JPG Roland Koch, seines Zeichens Ministerpräsident des Landes Hessen, hat eine Diskussions- Lawine losgetreten. Seine knallharten Äußerungen zu Gewalttaten Jugendlicher, insbesondere, wenn sie aus Migrantenfamilie stammen, haben einen Wirbel nicht nur unter Politikern verursacht. Die Absicht ist erkennbar, er will im Wahlkampf aus dem Trüben fischen, will meinen, dass er sich aus dem Parolenfundus der rechten Szene bedient, um selbst da Stimmen zu gewinnen.

Doch lassen wir mal die Hascherei der Politiker nach Stimmen im hessischen Wahlkampf beiseite und fragen uns, wo eigentlich die Ursachen zu suchen sind, wenn Jugendliche zu brutalen Gewaltaktionen fähig sind und sie meistens an Alten und Schwachen ausüben.

Werden die Weichen zum aggressiven und gewaltbereiten Verhalten bereits in der Entwicklungsphase vom Kind bis zum Jugendlichen im Elternhaus gestellt? Vermutlich ja, ist aber nicht alleine dafür verantwortlich. Alle Eltern kennen das Problem, wenn Kinder in die Pubertät kommen, sie wollen sich auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenwerden abgrenzen, sich emanzipieren. Festgelegte Normen der Erwachsenenwelt werden in Frage gestellt und sehr oft abgelehnt. Umfragen haben ergeben, dass fast 90 Prozent aller männlichen Jugendlichen mindestens eine Straftat begangen haben. Die Phase beginnt im Alter von zehn bis vierzehn Jahren, erreicht den Höhepunkt bei 17- bis 18-Jährigen und nimmt ab 20 wieder ab. Viele Faktoren beeinflussen diese Entwicklung, in erster Linie das soziale - oder besser asoziale - Umfeld in und außerhalb des Elternhauses.
Kommt der Jugendliche aus einer Migrantenfamilie, die auch noch einem anderen Kulturkreis angehört, sind die Konflikte mit dem einheimischen Umfeld vorprogrammiert! Häufig ist der Fall, dass Migranteneltern sich in unserem Land nicht integriert und andere Wertvorstellungen haben, in anderen Normen leben als deutsche Familien. Durch diese Gegensätze werden die Jugendlichen orientierungslos und schaffen sich ihre eigenen Gesetze, die aber stets konträr der legalen Gesetze sind.

Diese ungünstigen Konstellationen des Umfeldes werden noch verschärft, wenn die Jugendlichen keinen Schulabschluss und deshalb keine Perspektive haben, wie einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen, und/oder wenn sie Alkohol trinken.

Es gibt aber auch noch einen anderen Typus von gewaltbereiten Jugendlichen, wie geschildert. Es sind Jugendliche, die schon als Kind im Kindergarten oder Schule durch aggressives Verhalten aufgefallen sind. Da wurden andere Kinder ohne Grund geschlagen, geschubst oder gebissen. Ursache dieser negativen Verhaltensmuster im Kindesalter sind Defizite in der Sprachentwicklung oder auch des Gehirns. Diese Kinder fühlen sich als Außenseiter und bedroht, wenn sie Situationen nicht einordnen können, sie reagieren dann darauf aggressiv.
Hilflose Eltern, die selbst mit Aggressionen auf das Verhalten ihrer Kinder antworten, verschlimmern das Problem.

Apropos aggressive Eltern: Eltern, die ihre Kinder schlagen oder bei Mitmenschen gewalttätig werden, prägen unbewusst das Verhaltenmuster ihrer Kinder. Ob Opfer oder nur Zuschauer von Gewalt-Exessen ihrer Eltern, diese Kinder eignen sich das Verhaltensmuster selbst an und leben es dann an den eigenen Kindern aus.

Der Bildungsstand in den Familien ist ein wesentlicher Faktor, ob Jugendliche zu Gewalt neigen oder nicht. In Familien mit kaum oder sehr geringer Bildung ist Gewalt sehr viel verbreiteter. Die Statistik belegt, dass dreimal so viele Ausländerkinder straffällig werden als deutsche. Der Hintergrund: Einwanderer kommen meist aus sehr armen Verhältnissen und sind zudem wenig gebildet. Wenn Frauen, die in erster Linie für die Entwicklung der Kinder verantwortlich sind, aus muslimischen Ländern kommen, ist es mit der Erziehung und Vermittlung von Werten der Kinder schlecht bestellt, denn diese Frauen haben noch viel weniger Bildung in ihren Heimatländern genießen können - dürfen - als Männer. Viele muslimische Frauen können auch nach jahrelangem Aufenthalt in Deutschland kein deutsch.

Man könnte noch viel mehr Fakten aufführen, die Jugendliche zu Gewalttätern und Kriminellen werden lassen.

Wie aber ist diesem negativen Phänomen zu begegnen?

Diese Frage ist nicht einfach, wenn überhaupt zu beantworten. Mit Plattitüden von Wahlkampfparolen, wie sie Roland Koch zurzeit publiziert, sicherlich nicht. Der Herr Ministerpräsident macht es sich zu einfach, wenn er jugendliche Straftäter nach US-amerikanischem Vorbild in Strafgefangenenlager, in so genannten "Boot Camps", einweisen, und wenn er Ausländer ist, rigoros ausweisen will. In den "Boot Camps" sollen straffällige Jugendliche mit harter Disziplin gedemütigt und gedrillt werden, damit ihr Wille gebrochen wird. Eine äußerst zweifelhafte und strittige Methode, denn nach ihrer Entlassung werden die meisten Jugendlichen trotzdem wieder rückfällig. Gewalt ist übrigens nach Ansicht von Experten ansteckend. (Lesen Sie den Artikel auf der Hauptseite "Gewalt ist ansteckend").

Die ganze Härte des Gesetzes soll aber die jugendlichen Gewalttäter treffen, wenn sie Mitmenschen brutal malträtieren und krankenhausreif schlagen. Die Aburteilung und die verdiente Strafe müssen "auf dem Fuße" folgen, nicht erst nach monatelangem Warten, bis ein Gericht mal Zeit für ihren Prozess findet. Das Alter für die Strafmündigkeit sollte auch der heutigen Zeit und wegen der soliden Konstitution und körperlichen Reife der Jugendlichen angepasst und jeweils um 2 Jahre herabgesetzt werden, also von 14 auf 12 und von 18 auf 16 Jahre.
Keinesfalls gehören aber Kinder von 12 bis 16 Jahren in den allgemeinen Strafvollzug für Jugendliche, sondern in noch einzurichtende gesonderte - wenn man sie so nennen will - Erziehungsheime. Wie so üblich, höre ich schon die Politiker tönen: "Für derlei Projekte fehlen uns die Mittel!".

Das Übel müsste m. E. an der Wurzel angepackt werden. Die Wurzeln sind eben das Heranwachsen des Kindes im Elternhaus, im Kindergarten und in der Schule. Auf das Elternhaus hat die Gesellschaft im Allgemeinen und die Behörden im Besonderen nur wenig Einfluss. Doch bereits im Kindergarten und später dann in der Schule kann ein Kind deutscher Eltern noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Bei den Migrantenkindern ist das Problem schon sehr viel schwieriger zu lösen. Denn wie weiter oben bereits angedeutet, ist die, oft muslimische, Mentalität im Elternhaus und die Sprachbarriere ein großer Stolperstein auf dem Weg zum angepassten und integrierten Menschen in unsere Gesellschaft. Nicht selten werden gerade türkische Jugendliche von ihren Eltern dazu angehalten, in oberster Priorität die Koranschule zu besuchen, die deutsche Schule wird dabei zur Nebensache degradiert. So erlangen türkische Kinder oft nicht einmal den Hauptschulabschluss, der für die weitere Ausbildung und Integration so wichtig ist. Ohne berufliche und gesellschaftliche Perspektiven beginnt für die Jugendlichen ein Teufelskreis, aus dem kaum ein Entrinnen ist. Ausgegrenzt und frustriert staut sich bei ihnen Hass auf die etablierte - deutsche - Gesellschaft an und entlädt sich schließlich in Gewaltverbrechen.

Aufgeschreckt durch die häufigen Gewaltdelikte Jugendlicher in diesen Tagen ist das Thema Numero 1 bei den politischen Parteien und der Regierung. Dabei verkommt dieses prekäre Problem zum Wahlkampfthema! Statt dafür zu Sorgen, dass dieses Problem gelöst wird, werden nur gegenseitige Vorwürfe laut. Viel früher hätten die Anzeichen dieser heutigen Missstände von den Politikern erkannt und mit entsprechenden Maßnahmen begegnet werden müssen. Stattdessen wurde Polizeipersonal drastisch abgebaut, Planstellen für Lehrpersonal und Sozialarbeiter gestrichen. Angeblich war und ist für so wichtiges Personal kein Geld in den öffentlichen Kassen! Das nenne ich sparen am falschen Platz! Wenn man sich dann vor Augen hält, welche Unsummen zum Beispiel für die Sicherheit hochrangiger Politiker bei den so genannten "G8-Gipfeln" (Heiligendamm) verschleudert werden, da erübrigt sich jeder Kommentar!

Von Polizeipräsenz auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, die für Sicherheit und Ordnung der Bürger sorgen könnte, ist doch wenig zu sehen. So haben Gewalttäter leichtes Spiel! Wann sehen die Verantwortlichen in der Politik und der Regierung das ein?
Stellt mehr Mittel zur Förderung der Kindergärten, Schulen und sozialen Einrichtungen bereit, damit Kinder und Jugendliche nicht auf die schiefe Bahn geraten!

Die Gefahr der Verwahrlosung unserer Jugend ist sehr groß. Wenn nichts gegen diese drohende Gefahr unternommen wird, sehe ich für die Zukunft der Jugend und dann folglich auch für die öffentliche Sicherheit schwarz!

Friedhelm Rubach


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