Kapitalismus, Segen oder Fluch?

Heimbach-Eifel, 02.10.2008

F-N-Bank-rissig.JPG Spätestens bei dem Zusammenbruch der Lehmann Brothers Bank in Amerika musste eigentlich den hoch dotierten Bankmanagern klar sein, dass der Finanzmarkt in der Welt in den letzten Monaten auf tönernen Füssen stand. Jahrelange wurde eine bedenkenlose Finanzpolitik auf dem amerikanischen Investmentmarkt betrieben. Die Investmentbanker vergaben hohe Kredite im Immobiliengeschäft ohne ausreichende Absicherungen.

Die Gier nach immer höheren Renditen heizte die Lage an den Börsen zusätzlich an. Das ging solange gut, bis viele Amerikaner die Raten für Ihre Häuser oder Grundstücke nicht mehr bezahlen konnten.

Wie weit der Zusammenbruch mehrer angesehener amerikanischer Banken und Versicherungskonzerne schon fortgeschritten ist, kann man an der Liste erkennen, die die insolventen Institute enthält. Als da sind so namhafte Banken wie die Lehmann Brothers Bank, Freddie Mac, um nur die zwei größten zu nennen, weitere, vor allen anderen auch die Hypotheken Banken, werden folgen. Siehe auch die in Deutschland etablierte „Hypo Real Estate Bank“. Selbst die „normalen“ amerikanischen Sparkassen sind von Verlusten betroffen.

Den größten Fauxpas aber leistete sich die staatlich kontrollierte deutsche KfW Bank, indem sie über 350 Millionen der Lehmann Brothers Bank in New York überwies, obwohl alle Welt bereits wusste, dass diese Bank insolvent war und vor dem Aus stand.

Das Ende der Finanzkrise ist noch nicht abzusehen, obwohl neuerdings ein Rettungspaket in Höhe von 700 Milliarden Dollar vom US-Senat nach vorhergehender Ablehnung letzten Endes doch noch geschnürt wurde. Nach Worten von Bundes-Finanzminister Per Steinbrück wird die Finanzkrise in den USA weitreichende Folgen auch für Deutschland haben. Steinbrück wörtlich: „Die Welt wird nicht mehr wie vorher sein“. Das die Finanzkrise Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben wird, liegt auf der Hand.

1867 erschien das Buch „Das Kapital“ von Karl Marx mit dem Untertitel „Kritik der politischen Ökonomie“. In seinem Buch kritisiert Marx den Kapitalismus mit seinen Besonderheiten in der Gesellschaft. Karl Marx prophezeite u. a. den Untergang des Kapitalismus in absehbarer Zeit.

Doch in der Geschichte des Kapitalismus hatte es immer schon Finanzkrisen gegeben. Angefangen von der ausgehenden Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts in Holland, über die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren bis zu der rasanten Entwicklung in der modernen Technologie zur Jahrtausendwende ist es zu keinem Kollaps des Weltfinanzsystems und damit des Ende des Kapitalismus gekommen. Bisher irrte Karl Marx also, muss man feststellen. Ob das aber in der Zukunft so bleiben wird, ist abzuwarten. Wohl aber scheiterte der Staatssozialismus im kommunistischen Ostblock Ende der 90er Jahre.

Auswüchse in der Finanzwelt von Reichen in der Gier nach immer mehr Geld hat es immer schon gegeben, das liegt wohl im Naturelement der meisten Menschen. Diese Gier geht aber oft nach hinten los, wenn es an der Börse kracht und viele ihre Einlagen entweder ganz, oder teilweise verlieren.

Aber nicht nur die Reichen sind die Verlierer in Finanzkrisen, am Ende bezahlt doch der allgemeine Steuerzahler mit.

Nachzuhalten ist noch, dass die ehemalige soziale Marktwirtschaft schon lange auf der Strecke geblieben ist. Eine Maxime der sozialen Marktwirtschaft war die, dass Angebot und Nachfrage den Preis regeln. Nicht nur die so genannte Globalisierung hat ihr den Garaus gemacht, sondern auch die Einführung des Euros.

Denn wie ist es zu verstehen, das zum Beispiel im täglichen Ölgeschäft die Kurse im ersten Halbjahr auf 150 $ je Barrel schnellten. So abrupt hat sich weder das Angebot noch die Nachfrage verändert. Ähnliches gilt im Devisengeschäft. Ökonomisch lassen sich solche Kapriolen nicht nachvollziehen.

Nach jüngsten Schätzungen der Deutschen Bank liegt der Euro um ein Drittel über dem, was ökonomisch vertretbar wäre. Dem Verbraucher ist auch ohne diese offizielle Schätzung schon lange klar geworden, dass der Euro überbewertet ist, er merkt es an den gestiegenen und noch steigenden Preisen!

Der Zustand des aktuellen und zukünftigen Weltwirtschafts- und Finanzsystems lässt das Fazit zu: Die größte Zeche bezahlt immer der „kleine Mann“! Das beantwortet auch gleichzeitig die Frage, ob der Kapitalismus Segen oder Fluch für die Gesellschaft ist, nämlich teils, teils, je nachdem welcher Gesellschaftsschicht man angehört!

Friedhelm Rubach


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