Schüler im Internet

Heimbach-Eifel, 17.12.2008

scrnshot_schuelercc.JPG Neulich schwärmten drei Nachbarkinder von einem Internetportal für Schüler, wo man sich anmelden kann und eine eigene Seite bekommt. Kurz gesagt, auf dieser Seite könnte man sich mit Bildern und persönlichen Daten vorstellen und auch mit anderen Jugendlichen im chat unterhalten. Zwei von ihnen hatten bereits einen Account (Zugang zu dieser Seite) erhalten.
Da die Kinder des Öfteren bei mir am Computer „SIMS2“ spielen dürfen, kamen sie auf die Idee, ich selbst sollte mich auch dort anmelden, dann könnten sie auch mit mir von PC zu PC „chatten“.
Erst lehnte ich dieses Ansinnen ab, weil ich erstens kein Schüler und zweitens zu Alt für dieses Portal sei. Auf Bitten und Drängen der Kinder gab ich schließlich nach und meldete mich dort an. Nun bauten sich bei der Anmeldung wie erwartet zwei Hürden für mich auf. Im Anmeldeformular musste man den Geburtsjahrgang angeben. Da die Vorgabe-Option (im Pulldownmenü) nur bis zum Jahrgang 1982 reichte, wählte ich dann notgedrungen den Jahrgang 1983!
Diese Eingabe machte mich sofort 50 Jahre jünger! Bei der nächsten Frage nach der besuchten Schule musste ich schon wieder lügen! Mit der Eingabe „Clara Fey“ und den wirklich wahren Angaben meines Namens und der e-Mail-Adresse wurde mir eine Seite mit meinem Namen eingerichtet.

scrnshot_halloFriedhelm.JPG Nun stand meine Seite im „Rohbau“, die man mit Eingabe von Vorlieben, Abneigungen, Hobby’s usw. vervollständigen konnte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen wegen meiner falschen Angaben beim Alter und der Schule und verriet ganz unten auf der Seite mein wahres Alter und dass ich Clara Fey nie besucht hatte. Da ich dann auch noch ein aktuelles Bild von mir hoch geladen hatte, wartete ich gespannt darauf, ob mein Account vom Admin (Administrator) des Portals gelöscht würde. Die Kinder protestierten wegen des Bildes: „Da erkennt man ja, wie alt du bist, nimm das wieder heraus!“. Ich tat ihnen den Gefallen aber nicht.

Ich lernte auf diese Weise ein paar Jugendliche kennen. Ein 15 jähriges Mädchen fragte an: „Bist du das da auf dem Bild?“ Ich klärte sie über mein wahres Alter und wie es zu meiner Präsenz auf dem Portal gekommen ist auf. Das Mädchen gab sich mit meiner Auskunft erstaunlicherweise zufrieden. An einem anderen Tag bekam ich aber dann Post von einem 15 Jährigen: „eh du alter knacker was machst du denn in schülercc“. Ich antwortete ihm, wie es dazu gekommen ist und verlangte von ihm ein bißchen mehr Respekt vor dem Alter. Prompt kam wieder, diesmal eine schwer beleidigende Rückantwort, die man hier nicht wiedergeben kann, weil sie in unsäglicher „Fäkaliensprache“ abgefasst ist! (Wer dennoch an dem Orinalwortlaut interessiert ist klickt hier (Der "springende Punkt" unten ist "title") Weil ich mich nicht auf das gleiche Niveau - Marke unterste Schublade - begeben wollte, meldete ich diesen Vorfall dem Team von „www.schuelercc“. Gleichzeitig gab ich mich zu Erkennen und entschuldigte mich für mein „Einschleichen“ als Nichtschüler und versprach, meinen Account in Kürze zu löschen. Außerdem machte ich ihnen den Vorschlag, dass auch Eltern der Schüler vorübergehend, oder auch permanent eine Art „Gastzugang“ zu dem Portal bekämen, damit sie sehen könnten, was ihre Jugendlichen auf der Seite von schuelercc treiben. Bisher bekam ich nur eine e-Mail von dem Team, dass mein „Feedback“ bearbeitet würde.

Mit dem Account bei www.schuelercc.de habe ich auch einen Einblick erhalten, was manche Schüler im Internet so von sich geben. Teilweise ist es erschreckend, welch schlimme Worte da zu lesen sind! Nur so von Fehlern strotzend, nicht nur grammatikalisch, werden die Themen Beziehung, Liebe und Sex mit einem Vokabular bedacht, das dem übelsten Straßenjargon alle „Ehre“ machen würde. Es widerstrebt mir, ein paar Original-Zitate wiederzugeben, ich möchte diesen Bildschirm nicht beschmutzen! Nur so viel soll als Beispiel herhalten, wo ein Mädchen den Sinn des Lebens nur im ficken sieht! Da kann ich nur Erich Kästner, der nicht nur Kinderbücher schrieb, zitieren, wo er in einem Gedicht ironisch von einer Frau meint: „… wo andere moralisch sind, hat sie ein Loch!“ So eine Einstellung bringt einem Mädchen erst den Ruf als „Ortsmatratze“ ein und endet später vielleicht im Rotlichtmilieu!
Die Frage sei einmal erlaubt:
Wissen das eigentlich die Eltern von so einem Früchtchen? Wenn nicht, warum nicht? Die alternative Frage stelle ich erst gar nicht, die erübrigt sich!

Gott sei dank gibt es aber auch von Jungen und Mädchen seriöse, um nicht zu sagen „brave“ Beiträge. Aber ich meine, dass die obszönen Auslassungen, die sich auf dem untersten Level bewegen - bei grober Schätzung gesehen - in der Überzahl sind. Meist zeugen die unflätigen Beiträge auch noch von einer eklatanten Rechtschreib-Schwäche. Wenn „Abhängen“, "Koma-Saufen", „Vögeln“ und Drogenkonsum zum Lebensziel wird, sehe ich schwarz für die Zukunft dieser Gruppe von Jugendlichen. Was soll aus denen einmal werden, wenn sie auch noch ohne einen Schulabschluss (vielleicht oder auch nicht?) in die Arbeitswelt eintreten wollen.
Aber ich meine, dass die obszönen Auslassungen, die sich auf dem untersten Level bewegen - bei grober Schätzung gesehen – doch in der Minderheit sind. Meist zeugen die unflätigen Beiträge auch noch von einer eklatanten Rechtschreib-Schwäche. Wenn „Abhängen“, "Koma-Saufen", „Vögeln“ und Drogenkonsum zum Lebensziel wird, sehe ich schwarz für die Zukunft dieser Gruppe von Jugendlichen. Was soll aus denen einmal werden, wenn sie auch noch ohne einen Schulabschluss (vielleicht oder auch nicht?) in die Arbeitswelt eintreten wollen.
Hartz IV-Empfänger haben wir in Deutschland zur Genüge. Und wenn dieser erbärmliche Lebensstil immer mehr Nachahmer findet, geht auf die Dauer der Staat Bankrott, denn wer soll dann eigentlich das Bruttosozialprodukt schaffen, damit Sozialhilfeempfänger Geld zum Leben bekommen? Die Pisa-Studien weisen seit Jahren eine deutliche und fatale Tendenz aus: Deutschland steht in Punkto Bildung ziemlich weit hinten. Bildung wird heute in Deutschland von sehr vielen wohl mit dem „Schaumlöffel gefressen“!

Um ein erstes Fazit abzugeben: Gott sei dank gibt es aber auch von Jungen und Mädchen seriöse, um nicht zu sagen „brave“ Beiträge. Da gibt es sogar sehr junge Mitglieder, die besser die Rechtschreibung beherrschen und sich besser ausdrücken können als viel ältere Jugendliche. Diese aber stammen, wie oben bereits geschildert, aus einem sozialschwachen Milieu, oder auch aus Familien mit Migrationshintergrund. Großzügig muss man manchmal darüber hinweg sehen, dass sich ein eigener Schreibstil entwickelt hat, wenn man zum Beispiel liest: „hab diich ganz dolle liiib“ oder „anqelina <3 mei abqf lieb dich bist mia wichtiq“ oder so ähnlich. Das ist doch harmlos und nett gemeint, wenn auch das "g" zum "q" umfunktioniert wird, oder statt "ie" "iii" geschrieben wird!

Sieht man einmal über den Tellerrand unserer „famosen“ Bildungspolitik, so erkennt man in Asien eine erstaunliche Entwicklung. Da haben zum Beispiel die Schüler in Südkorea einen ZEHN-Stundentag und sind begierig, auch noch mehr zu lernen, damit sie später in gehobenen Stellungen ihren Beruf ausüben und somit viel Geld verdienen können. Allerdings ist dieses "Auf Deubel komm raus" Schulsystem neuerdings umstritten. Es ist aber kein Zufall, dass in Asien die Wirtschaft brummt und in der westlichen Welt dieselbe stagniert und sogar kriselt. Zu allem Überfluss wird die aktuelle Finanzkrise die Wirtschaft ohnehin noch schwer belasten. In der „Missbildung“ hier zu Lande liegt eine der Ursachen.

Über Deutschland sagte man einst in der Welt: „Volk der Dichter und Denker“.
Das ist leider lange her!

Friedhelm Rubach

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