Der Fall der Barbara E.

Heimbach-Eifel, 25.02.2009

Hypo-real-estate-logo.jpg Es wurde bereits genug über die Finanzkrise geredet, geschrieben und wer sie ursächlich ausgelöst hat, aber es ist mir wichtig, die Schuldigen des globalen Finanzdesasters für einen späteren Vergleich noch einmal in Erinnerung zu bringen: Es waren doch Bank-Direktoren und Finanz-Manager ersten Ranges, die sich aus nimmersatter Habgier rettungslos verzockt hatten, sodass sie 3-stellige Milliardensummen buchstäblich in ein Nichts verwandelten. Echte Profizocker mit viel kleineren Einsätzen verlieren im Verhältnis nicht so hoch, weil sie mit kalkuliertem Risiko und vor allem mit eigenem Geld spielen! Nicht so die so genannten Finanzexperten, die ihre hohen Einsätze nicht aus privaten Geldern machten, sondern das ihnen anvertraute „Volksvermögen“, auch wenn dieses Wort Assoziationen mit einem gewissen „tausendjährigen Reich“ auslösen kann. Wie bekannt, wurden und werden diese Hasardeure der Finanzen nicht zur Rechenschaft gezogen, geschweige denn regresspflichtig gemacht! Im Gegenteil, sie sackten sich noch horrende Bonus-Summen kalt lächelnd in die eigenen Taschen! Es ist von Amerika über Europa bis hin nach Asien kein einziger Fall von Ermittlungen durch die Gerichtsbarkeit hinsichtlich Veruntreuungen bekannt geworden. Bild-Grau_C-right.jpg Selbst von höchster politischer Warte wird die „Finanzkrise“ verharmlosend als unabwendbare „Naturkatastrophe“ betrachtet. Was Wunder, stecken doch die meisten Politiker mit diesen im Geld schwimmenden „Dagobert Ducks“ unter einer Decke, wobei sie auch ein wenig von dem Zaster partizipieren!

So weit, so schlecht!
Ganz aktuell ist aber doch von einem Berliner Verwaltungsgericht ein Urteil gesprochen worden, weil man eine fristlose Kündigung wegen Veruntreuung rechtens fand.
Also doch, da hat Frau Justitia einen dieser Finanz-Bösewichte verdonnert, sollte man meinen!
Bild-Grau_C-right.jpg Aber weit gefehlt, in diesem Falle handelt es sich um eine schlichte Kassiererin vom Lebensmittelhändler „Kaisers“, die sich wegen des es Verschwindens von zwei Pfandbons im Wert von sage und schreibe 1,30 Euro, in Worten: - ein Euro und dreißig Cent – der Veruntreuung schuldig gemacht hat und nach 31 Jahren Dienst an der Supermarktkasse fristlos entlassen wurde.
Die Klage der Frau Barbara B. wurde vom Berliner Verwaltungsgericht mit der Begründung abgewiesen, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen ihr und dem Arbeitgeber durch diese „Untat“ nicht mehr gegeben und auch nicht mehr wieder herzustellen ist!
Bravo! Hier ist vom Gericht ein echtes Exempel statuiert worden, denn eine Kassiererin muss eine Vertrauensperson sein; ihr ist ja die ganze Tageseinnahme eines Supermarktes anvertraut! Diese kleine Arbeitnehmerin darf sich keine so große Verfehlung erlauben!

Bei dem Wirken der Börsenbonzen und Finanzmogule ist das anders, da setzt man eine absolute loyale Haltung voraus, die verwalten auch nur Milliarden und keine wertvolle Tageskasse im Supermarkt!
Die Moral von der Geschicht’ ist hinlänglich aus Erfahrung bekannt, die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen!
Da kann einem das große Kotzen kommen, wenn man vergleicht, wie die kapitalistischen Größen der Finanzmisere vollkommen abgehoben, scheinbar unangreifbar sind und wie eine kleine Kassiererin die volle Wucht der „Rechtsprechung“ trifft! Der Fall „Barbara E.“ ist dem Rechtsempfinden eines normalen Bürgers total fremd und spottet jeder Beschreibung. Wenn dieser Fall nicht so real und so ernst wäre, gäbe er einen vorzüglichen Stoff für eine Satire her!
Gerechtigkeit ist heutzutage ein Fremdwort!

Friedhelm Rubach

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