PrimeSite Rhine Region ?

Heimbach-Eifel, 29.06.2009

Kürzlich las ich in der Zeitung, dass im Euskirchener Raum mit Unterstützung des Landes NRW ein Grundstein für eine so genannte „PrimeSite Rhine Region“ gelegt wurde. Es geht da ganz nüchtern und simpel ausgedrückt um eine 205 Hektar große Nutzungsfläche für gewerbliche Betriebe. Natürlich bürgt das Land für dieses Projekt mal eben so schlappe 25 Millionen Euro.

So weit der Sach- und Tatbestand.
Hallo, wo leben wir hier eigentlich? „PrimeSite Rhine Region“ heißt dieses Projekt. Lachhaft, hat man dafür keine vernünftige deutsche Bezeichnung gefunden? Warum muss dafür ein englischer Name herhalten, soll das Ganze mehr nebulös firmieren? Verspricht man sich dadurch einen werbewirksamen „Slogan“?

PraimSait rhain rietschen" (phonetisch) klingt wohl den Verantwortlichen besser in den Ohren als „Premium Standort Rhein Region“? Three-wisdoms.jpg Verdammt noch mal, warum müssen deutschen Bürgern für alles und jedes Anglizismen um die Ohren gehauen werden! Die haben sich doch schon seit geraumer Zeit in Hülle und Fülle im „Sprachgebrauch“ breit gemacht. Wenn das so weiter geht, dann verkommt die deutsche Sprache zu einer Art „Pidgin-Englisch“! Wir kaufen (Verzeihung – shoppen) doch zum Beispiel für unsere Füße keine gewöhnlichen Schuhe (shoes) mehr, sondern fast nur noch boots, sneekers oder für die Frauen „high-heels“! Der „run“ auf diese „shoes“ beginnt dann in der „sale time“! Wen man mit dem Zug (train) zum shoppen in die city will, erkundigt man sich vorher am „service point“ der DB, die demnächst wohl „railways germany“ heißen wird.

Alle neu kreierten Sportarten tragen nur noch englische Bezeichnungen, wie etwa „Snowboard“, „Wakeboards“, „Slacklining“, „Crashed Ice“ usw. und so fort. Wir gehen nicht mehr Wandern, sondern machen „Walking“, „Nordic Walking oder Byken, wenn wir nicht zu Fuß gehen wollen. Die Sportarten werden heutzutage „outdoor“ oder „indoor” ausgetragen.

Schlimmer noch ist das Vermischen von englischen und deutschen Wort-Teilen, so dass eine richtige Sprachpanscherei entsteht. So hat sich zum Beispiel Guido Westerwelle geoutet“! Doch er hat sich nicht selbst „weggebasht“ !

Ich könnte noch massenhaft weitere Beispiele der Verhunzung der deutschen Sprache nennen, aber so geht das weiter und wird immer schlimmer! Sicher, die Sprache, auch die deutsche, ist lebendig und unterliegt dem Wandel der Zeit, aber die Gefahr besteht, dass sie gänzlich verkommt (siehe oben: „Pidgin-Englisch“).

Sollen wir in Zukunft statt: „Warum ist es am Rhein so schön…“ den Text in Englisch: „Why is it at rhine so nice…“ singen?

Unseren französischen Nachbarn ist ihre Sprache lieb und fast „heilig“, sie verschmähen auf jeden Fall das einschleichen von Anglizismen in ihrer Sprache. Es gibt hier die Académie française, die schon vor Jahren ein Komitee gebildet hat, das über die Reinhaltung der Sprache und der literarischen Werke wachen soll.

Grabstein-sprachschatz.jpg Eigentlich unnötige anglo-amerikanische Ausdrücke werden als Signal für vermeintliche Modernität oder Weltoffenheit verwendet, sie werden in den Nachrichten und der Sportberichterstattung der Medien verbreitet. Inzwischen sind alle Bereiche des öffentlichen bzw. veröffentlichten Sprachgebrauchs davon erfasst. Man kann eine grassierende „Anglicitis” bzw. „Amerikanitis” in der deutschen Sprache feststellen bei gleichzeitiger Schwindsucht des deutschen Sprachschatzes. Selbiger wird wohl irgendwann in einem „english garden“ vergraben werden, wenn das so weiter geht!

Ich möchte hier Marcel Reich-Ranitzki, - einer der letzten Überlebenden des Warschauer Ghettos und deshalb unverdächtig - zitieren:
"Es ist blanker Unsinn, wenn in Israel behauptet werde, die deutsche Sprache sei durch die Verbrechen der Nazis diskreditiert. Wahr ist vielmehr, dass die deutsche Sprache von den Nazis missbraucht und von Hitler und vielen seiner engsten Mitarbeiter auf ungeheuerliche Weise verhunzt wurde."

logo_Verein deutsche Sprache.jpg Also lohnt es doch, sich für die Reinerhaltung der deutschen Sprache einzusetzen, ohne dabei in Deutschtümelei zu fallen, oder euphorischem National-Patriotismus zu huldigen. Ich für mein Teil werde demnächst dem „Verein deutsche Sprache“ beitreten.


Friedhelm Rubach

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