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Landrat unter Anklage!
Heimbach/ Eifel, 19.08.2012

Es gibt Leute, die haben den krankhaften Ehrgeiz, bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten im öffentlichen, wie auch im privaten Leben permanent im Mittelpunkt stehen zu müssen. Ob Fernsehen, Radio oder Zeitung, immer wollen sie, möglichst groß aufgemacht, mit Bild und Ton in den Medien präsent sein! Nach dem Motto, seht her, was für eine großartige Person ich bin! Spelthahn sieht sich, nach eigener Aussage, selbst als „Raumfüllende Persönlichkeit“!

Man könnte dieses Streben nach Popularität für das eigene Ego als „Mediengeilheit“ bezeichnen. Dieses geht so weit, dass sie sich nicht scheuen, auch dann noch groß aufzutreten, wenn sie bei der Staatsanwaltschaft unter Anklage stehen! Leider finden solche Typen auch immer eine Plattform, um z.B. einer Zeitung ein Interview zu geben, wo sie Statements abgeben, dass sie zu Unrecht angeklagt werden und ihr Wirken und Tun korrekt abgelaufen sei und sie sich keiner Schuld bewusst sind. Die Zeitung druckte dieses Interview dann ganzseitig ab. Nachzulesen ist dieses Interview hier:

Bild-Grau_C-right.jpg So kürzlich geschehen, als die Staatsanwaltschaft Aachen gegen den honorigen Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) Anklage wegen Untreue erhoben hat.
Mitangeklagt ist der frühere Geschäftsführer Müller der nicht mehr bestehenden Gesellschaft für Wirtschaft- und Strukturförderung im Kreis Düren (GWS). Wolfgang Spelthahn war Aufsichtsrats­vorsitzender der GWS. In der Anklageschrift wird dem Landrat des Kreises Düren vorgeworfen, er habe dem Mitangeklagten Geschäftsführer der GWS zusätzlich Tantiemen in fünfstelliger Euro-Höhe gewährt, die ihm wegen fehlender Erfolgsbilanz in keiner Weise zustanden.
Man muss in diesem Zusammenhang wissen, dass die GWS bereits wegen Unrentabilität und Erfolglosigkeit aufgelöst wurde.

Spelthahn behauptet dagegen: Der Geschäftsführer habe nachweislich „mit viel Engagement gute Arbeit geleistet“. Soll heißen: Die Boni-Zahlungen an den Geschäftsführer seien rechtens ergangen! Welch ein krasser Widerspruch! Es ist eben nicht nachvollziehbar, dass Tantiemen an jemanden gezahlt werden, dessen Arbeit, für die er eingestellt worden ist, sehr, sehr wenig erfolgreich war!

Doch die Anklage ist nicht Spelthahns einziges Problem: Die Staatsanwaltschaft hat zwei weitere Vorermittlungsverfahren eingeleitet, die mit seiner Arbeit zu tun haben. Die Tantiemen von Herrn Müller sind nicht der einzige Sachverhalt, mit dem sich die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Es läuft ein Vorermittlungsverfahren zum Beispiel wegen des Grönemeyer-Konzerts, das Spelthahn 2008 für mehr als drei Millionen Euro veranstaltet und mit dem er 400 000 Euro Verlust gemacht haben soll.

Im Interview fragte der Journalist der Aachener Zeitung: „Wie kann man mit einem Grönemeyer-Konzert Verlust machen?

Spelthahn antwortete: „Die Aufwendungen für Infrastruktur und vor allem die Gage für Herrn Grönemeyer sind derart hoch, dass man ohne Infrastruktur und Sponsoren maximal eine schwarze Null schreiben kann.

Auf die Frage im Interview nach der Höhe von Grönemeyers Gage antwortete Spelthahn: „Es ist vertraglich mit Herrn Grönemeyer vereinbart, dass über die Höhe seiner Gage Stillschweigen bewahrt wird. Wir hatten das Pech, dass der ursprünglich geplante Veranstaltungsort sich als untauglich herausstellte, wir mussten ausweichen. Ich kann aber ganz klar sagen: In das Konzert ist kein Cent aus öffentlichen Geldern geflossen und wird es auch nicht. Das Defizit wird 2015 durch Erträge aus anderen Veranstaltungen ausgeglichen sein.

Hier offenbaren sich wohl hellseherische Fähigkeiten von Herrn Spelthan, wie kann er voraussagen, dass bis 2015 das Defizit ausgeglichen sein wird? Und was, wenn bei ähnlichen Veranstaltungen und gleichen dilettantischen „Managern“ das Defizit nicht ausgeglichen, sondern sogar noch vermehrt worden ist?

Eine weitere Frage vom AZ-Interviewer: „Ein anderes Vorermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft beschäftigt sich mit der Bestellung Jens Brökers zum Geschäftsführer der Indeland GmbH. Diese Personalie wird den Steuerzahler mehr als zwei Millionen Euro kosten. War das Konfliktpotenzial der Personalie und des Gehaltes einem erfahrenen Kommunalpolitiker wie Ihnen nicht vorher klar?"

Antwort Spelthan: „Die Gesellschaft finanziert sich nicht in erster Linie aus Steuermitteln. Ich weiß zudem nicht, wie Sie auf zwei Millionen Euro kommen."

AZ: „Ein Jahresgehalt inklusive Auto und Versicherung von etwa 200 000 Euro über fünf Jahre, danach, wenn sein Geschäftsführervertrag nicht verlängert wird, elf Jahre lang, also bis zum Renteneintritt, jährlich 85 000 Euro als Berater.“
War die gut informierte Antwort vom AZ-Interviewer.

Spelthahn: "Die Gesellschafterversammlung der Indeland GmbH hat einen Vertrag beschlossen. Ich bin zwar Mitglied der Gesellschafterversammlung, aber nicht ihr Vorsitzender. Ich kann mir nicht anmaßen, die Vertragsinhalte bestimmt zu haben. Außerdem finde ich es unfair und nicht sachgerecht, nur das Gehalt eines Geschäftsführers zu bemessen, aber nicht dessen Leistung."

AZ: "Sie kennen seine Leistung ja noch gar nicht."

Spelthahn: "Wir haben am Markt eine Persönlichkeit gefunden, die gut vernetzt und gut aufgestellt ist. Wir haben uns vergegenwärtigt, was für Positionen wie die, die Herr Bröker bekleidet, am freien Markt bezahlt wird und haben uns auch an Brökers vorherigem Einkommensniveau orientiert. Ich kann guten Gewissens sagen, dass ich die Arbeit von Herrn Bröker lange kenne und seine Arbeit gut beurteilen kann."

AZ: "Noch einmal: Jens Bröker war Ihr Gegenkandidat bei zwei Kommunalwahlen, er erhält einen hervorragend dotierten Rentenvertrag. War Ihnen das Konfliktpotenzial dieser Entscheidung klar?"

Spelthahn: "Nein. Wir haben intensiv über diese Personalie diskutiert. Ein von einem Gesellschafter der Indeland GmbH angestrengter Prozess vor der Handelskammer des Landgerichtes Aachen wird ergeben, ob alles rechtmäßig verlaufen ist. Ich denke, wir haben sehr gute Argumente, die Angemessenheit seines Vertrages sichergestellt zu haben. Wenn Sie diesen Vertrag als «Rentenvertrag» bezeichnen, dann haben alle einen Rentenvertrag, die unbefristet beschäftigt, aber nicht unkündbar sind."

Hier endet zwar das Interview noch nicht, aber es zeigt sehr aufschlussreich die Mentalität und Arbeitsweise des Landrates Wolfgang Spelthahn. Wenn Spelthahn nun glaubt, dass er mit seinen Antworten im Interview sich von Schuld „reingewaschen“ hat, so irrt er aber ganz gewaltig!
Noch einmal der Link zum kompletten Interview der AZ mit dem Landrat Link Interview.


Friedhelm Rubach


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