Eifeler Rursee in Gefahr
Heimbach/ Eifel, 08.11.2012
Index:
1. RETTET DEN RURSEE
2. Die Fakten
3. So soll das Wasserspeicherkraftwerk Rur funktionieren
4. Fazit von Agitation und Realität.
5. Trittbrettfahrer


1. RETTET DEN RURSEE

Mit Schlagworten und Parolen wie diese: „RETTET DEN RURSEE“, "Stoppt Trianel!“ und „Ein einmaliges Naturparadies bewahren“ macht eine aktive Bürgerinitiative zurzeit von sich reden und weckt das Interesse nicht nur der regionalen Öffentlichkeit. Eine eigene Website RETTET-DEN-RURSEE.de wurde ebenfalls ins Netz gestellt.

Bild-Grau_C-right.jpg Auf der Startseite von RETTET DEN RURSEE springt einem sofort die Klage und der Protest mit folgendem Satz ins Auge: "Ein einmaliges Naturparadies bewahren - Der internationale Energiekonzern Trianel plant in der Eifel ein gigantisches Pumpspeicherkraftwerk, das den Rursee als Unterbecken nutzen will. Für die Nationalpark-Region bedeutet das 200.000 LKW-Schwertransporte (ca. 115 pro Tag!), die sich durch unsere Dörfer wälzen und den sanften, naturnahen Tourismus an die Wand fahren."

Ferner wird befürchtet, dass: "...Der ökologische und touristische Totalschaden für unsere schützenswerte Rureifel. Das Überleben einer ganzen Region steht auf dem Spiel!
Mit Inbetriebnahme der gigantischen Anlage würde der Rursee - seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für Erholungssuchende aus ganz Europa - zu einem schlammigen Gewässer verkommen: Mit täglich schwankenden Wasserständen von bis zu zwei Metern und gefährlichen Strömungen an den Rursee-Ufern.
"

Was bringt die Gemüter der Bürgerinitiative so in Wallung? Sie haben eine richtige Horrorvision vom Bau des geplanten Pumpspeicherwerks durch die Energiefirma Trianel!
Eine Antwort, WAS der Bau des Speicherwerkes effektiv bewirkt, wie er von statten gehen soll und wie das Projekt genau aussieht, findet man vergebens auf dieser Webseite.

BF hat recherchiert und will versuchen, Klarheit in dieser Angelegenheit zu bringen und gleichzeitig am Schluss eine eigene, kritische Stellungnahme zu diesem Thema abzugeben.

2. Die Fakten:

Der Energiekonzern Trianel plant, in Nordrhein-Westfalen und Thüringen rund 2.000 Mega-Watt durch Wasserspeicherkraftwerke erneuerbare Energie zu gewinnen. Davon soll das geplante Speicherwerk Rur, also das Kraftwerk am Rursee, alleine 640 MW erzeugen.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Simmerath könnte ein 640 MW Kraftwerk entstehen. Ein Oberbecken soll nach dem derzeitigen Planungstand nördlich vom Ortsteil Strauch errichtet werden. Die Firma Trianel bezeichnet den Standort Rurtalsperre für den Bau des Wasserspeicherkraftwerks Bild-Grau_C-right.jpg als sehr attraktiv. Sie, die Rurtalsperre, soll sich bestens als Unterbecken für das Pumpspeicherwerks eignen. Der Bau selbst soll lt. Trianelohne großen baulichen Aufwand“ verwirklicht werden können.
Die Rurtalsperre würde also als Unterbecken für das Oberbecken, das auf der Höhe des Ortsteils Strauch entstehen soll, genutzt werden. Wechselseitig würde demnach das Wasser des Rursee’s nach oben in das Oberbecken gepumpt, und bei Bedarf wieder auf die Turbinen nach unten ins Unterbecken – Rursee - abfließen. Die Nettoleistung des Kraftwerks soll 640 MW erbringen. Sehen Sie rechts die technischen Daten in der Tabelle. Lt. Trianel haben sich der Rat der Gemeinde Simmerath und auch der örtliche Talssperrenbetreiber für eine positive Begleitung des Projektes ausgesprochen.

3. So soll das Wasserspeicherkraftwerk Rur funktionieren:

Das Trianel Wasserspeicherkraftwerk Rur logo_Trianel.jpgspeichert Energie, indem es Wasser aus der Rurtalsperre in Zeiten hoher Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bei gleichzeitig niedriger Nachfrage (Stromüberschuss) in ein höher gelegenes Oberbecken pumpt und so den überschüssigen Strom in Form von potenzieller Energie des Wassers speichert. Ist im Netz zu wenig Strom vorhanden, kann bei bedarf das Wasser aus dem Oberbecken durch einen unterirdischen Stollen innerhalb kürzester zeit wieder abgelassen werden, wobei es Turbinen zur Stromproduktion antreibt. Wasserspeicherkraftwerke sind „kaltstartfähig“, d.h. innerhalb von nur wenigen Minuten kann Strom zur Verfügung gestellt werden. Der Wirkungsgrad des geplanten Wasserspeicherkraftwerks am Standort Rur wird rund 80 % betragen.

Und so sähe die Funktionsweise des Wasserspeicherkraftwerkes im Schema aus:
Bild-Grau_C-right.jpg


Projektleiter, Dr. Markus Hakes erklärt auf der Website Trianels:


Bild-Grau_C-right.jpg Für eine zukunftsfähige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien sind effiziente Stromspeicher ein zentraler Baustein. Effizient und dabei klimaschonend – all das zeichnet das geplante Trianel Wasserspeicher­kraftwerk Rur aus. Nach der voraussichtlichen Fertigstellung Ende 2019 wird das Kraftwerk an der Rurtalsperre rund 640 Megawatt produzieren – damit könnten 460.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.

Soweit die informative Darstellung über das geplante Projekt Wasserspeicherkraftwerk Rur.

4. Fazit von Agitation und Realität:

Vorweg: Es ist das gute Recht der Bürger, sich gegen vermeintliche Benachteiligungen durch politische, aber auch wirtschaftliche Entscheidungen, die ihr Umfeld betrifft, zu wehren. Gegebenen Falls sogar mit der Einreichung einer Petition beim Deutschen Bundestag.
Das hat die Bürgerinitiative mit ihrer Öffentlichkeits-Aktion „Rettet-den-Rursee“ auch legitim getan. Für meine Begriffe ist aber die Empörung über das Projekt Wasserspeicherkraftwerk Rur etwas zu theatralisch und leicht übertrieben geraten.
Ebenso ist das Attribut "Naturparadies" für die Rurtal-Sperre schlicht falsch, Der Rursee ist kein natürlicher See, sondern ein Stausee. Der Staudamm in Schwammenauel wurde in erster Linie zur Hochwasserregulierung der Rur gebaut und diente wenig später zur Stromgewinnung durch ein Wasserkraftwerk (im Jugendstil gebaut).

Wie auch immer, die Bürger der betroffenen Gemeinden haben begründete Angst, dass ihr liebgewordenes Umfeld und somit die Natur, beträchtlichen Schaden durch die Bauarbeiten von Trianel nimmt.

5. Trittbrettfahrer:

Bezeichnender Weise hat sich auch der Bürgermeister mit fast dem kompletten Rat der Stadt Heimbach auf die Seite der Bürgerinitiative "Rettet den Rursee" geschlagen. Mit Ausnahme der „Grünen“ haben sich CDU, FDP, UWV und SPD im Rat gegen das Projekt ausgesprochen. Die Argumente aber, die die Stadt Heimbach gegen das geplante Projekt anführt, stehen auf sehr tönernen Füßen.
In einem Artikel des „Stadtjournal Heimbach“ beschreiben sie sich selbst als ausgemachte Naturschützer! Welch eine Heuchelei ist das!
Ihnen geht es doch nur um eigene Interessen und gleichzeitig den Interessen des Betreibers von „Eifeler Tor Resort“, dass die Attraktivität dieses Feriendorfes für den Tourismus verloren gehen könnte und in Simmerath als Konkurrenz zu Heimbach dafür eine neue entsteht!

Ich darf daran erinnern, dass eben diese selbsternannten „Naturschützer“ Heimbachs das idyllische Fleckchen Erde unterhalb des Staudamms den Interessen eines holländischen Investors für ein „Feriendorf“, genannt „Eifeler Tor Resort“, gegen den Protest der Hasenfelder Bürger geopfert haben!
(Siehe auch den Artikel: „Eifeler Landschaftszerstörer“, ganz oben auf dieser Seite der Link)

Hier einige Text-Passagen aus dem Heimbacher „Stadt-journal:
"Uns ist es gelungen, ein Feriendorf direkt am Nationalpark zu entwickeln, in das soeben die ersten Feriengäste eingezogen sind. Diese Gäste kommen wegen der intakten Natur (wirklich ? ) und werden in der Bauphase einen fast leeren See vorfinden.
Und weiter heißt es da:
"Die Eifellandschaft wird zusätzlich verschandelt!" Und: "Wir Bürger und Besucher brauchen diese unverfälschte Natur zum Atmen."

Diesen Artikel im Heimbacher „Stadt-journal mit falschen bzw. unwahren Attributen für die Region hat Bürgermeister Züll unterzeichnet !

Da sieh doch mal einer an, Bürgermeister und Rat der Stadt Heimbach sind plötzlich grüner als die Partei der „Grünen“ geworden! Da sagt man sich als Bürger von Hasenfeld, schade, dieser Sinneswandel der Stadtvertreter kommt leider zu spät! Denn diese Einstellung hätte man sich vor der Genehmigung zum Bau des holländischen Feriendorfes gewünscht! Denn gerade der Bau dieses „Feriendorfes“ hat intakte Natur zerstört! Und verschandelt wurde die Landschaft - unterhalb des Staudammes mit Blick ins Rurtal - durch diese Baumaßnahme ebenfalls!

Das nenne ich eine brutale Zersiedelung der Landschaft auf Kosten der Natur!

Und das alles, weil der holländische Investor dem Rat der Stadt Arbeitsplätze und Belebung von Handel und Wandel in Heimbach vorgegaukelt hat! Apropos Arbeitsplätze, die könnten bei Trianel eher zu finden sein als bei „Eifeler Tor Resort“, denn lukrative Arbeitsplätze sind exklusiv den Holländern vorbehalten. Keine einzige deutsche Firma war bis jetzt an den Bauarbeiten dort beteiligt!

Wie das als „naturnahe“ gepriesene Feriendorf „Eifeler Tor Resort“ heute aussieht (Stand 8. November 2012) können Sie in dieser Bildergalerie sehen. Klicken Sie bitte rechts das kleine Bild mit den Giebel-Häusern an.    pfeilrechts.gif
Achtung! Nur mit dem "Internet-Explorer" von Microsoft gibt es keine
Foto-Galerie, sondern nur 1 Bild in einem anderen Tab! Bild 1 bis 13

Bild-Grau_C-right.jpg Und wo bitte schön, gibt es überhaupt noch "intakte Natur" an den Ufern der Rur und des Rursees? Etwa am Ausgleichbecken unterhalb des Staudammes? Diese Gegend wird seit langem kommerziell von einem Kanuverleih aus Düren genutzt. Die Folge, Biber, die dort mal waren, sind abgewandert und haben sich woanders ein ruhigeres Plätzchen am Wasser gesucht. Ebenso findet man dort keine Schwäne, Blesshühner und Enten mehr.

Wandert man bei abgesunkenem Wasserspiegel am Ufer des Rursee’s entlang, entdeckt man leider allzu oft den angespülten Müll und Dreck. Die Verursacher können doch überwiegend nur Anrainer oder auch Wassersportler sein. Die Liste des Umweltfrevels in der hiesigen Region ließe sich beliebig fortsetzen. Aber als Naturfreund resigniert man mit der Zeit.
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Friedhelm Rubach


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