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Kollektiv-Schuld ohne Ende?

Heimbach- Eifel, 17.02.2015/ Update am 05.03.2015

Bild-Grau_C-right.jpg Die totale Zerstörung Dresdens am 13.-14. Februar 1945 (s. Bild links) durch alliierte Bomber­verbände der britischen Royal Air Force und der US Army Air Forces nahm unter anderen auch Bundespräsident Joachim Gauck zum Anlass, eine Gedenk­rede in der Frauenkirche zu halten.

Zwar gedachte er der Opfer und Überlebenden des Grauens: „Auch 70 Jahre später spüren wir die Folgen des Alptraumes. Wir trauern mit allen, die seither Leid tragen.“ und: „… einst war die Ruine der Frauenkirchen ein Mahnmal gegen den Krieg. Heute ist die Frauenkirche ein Lernort des Friedens.“ betonte der Bundespräsident.

Aber dann kam, wie es kommen musste, wenn Gauck redet, gebetsmühlenartig wiederholt Gauck bei allen seinen Reden die Schuldzuweisungen an die Adresse aller Deutschen, dass ja nicht vergessen werden solle – dürfe, was Deutsche im „3. Reich“ anderen Völkern angetan hatten.

Nein, diesmal waren nicht wie sonst üblich die jüdischen Opfer der Nazis gemeint, mit dem zerstörten Dresden assoziierte er die deutschen Luft-Angriffe auf die Städte Coventry (England), Rotterdam und Leningrad. Er vergaß auch nicht zu betonen: „Wir wissen, wer den mörderischen Krieg begonnen hat!“

Jawohl, stimmt Herr Gauck, das wissen wir, auch ohne dass wir von Ihnen und Ihren Vorgängern permanent daran erinnert zu werden, dazu sind die Erinnerungen an jene furchtbare Zeit zu prägnant!
Allerdings waren im II. Weltkrieg einige beteiligten Nationen auch nicht ohne Schuld!
Jedoch wie in keinem anderen Land auf der ganzen Welt sind deutsche Politiker und alle Repräsentanten des Landes so beflissen, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten sich das Büßergewand überzustreifen und verbal Selbstkasteiungen zu begehen.

Jeder Tote im Krieg ist ohne Zweifel ein Toter zu viel! Wenn aber Herr Gauck schon den deutschen Luftangriff 1940 auf Coventry mit 568 Toten gegen die Opfer Dresdens mit ca. 25.000 Toten aufwiegt, so steht das in einem krassen Missverhältnis zueinander!

Die Antwort der Alliierten auf den deutschen Luftangriff auf Coventry ließ nicht lange auf sich warten.

Als Zeitzeuge (Jahrgang 1933) habe ich, damals in Moers, den WK II bewusst und in ständiger Todes-Angst erlebt, und gottseidank, überlebt. Vom eigenen Erleben kann ich authentisch berichten: Bild-Grau_C-right.jpg Der britische Luftmarschall Sir Arthur Harris, in der deutschen Bevölkerung bekannt als „Bomber-Harris“, hatte die Idee, Tausend-Bomber-Angriffe (Bomberstrom) zu fliegen. Die britische Strategie des „moral bombing“ war, die Moral der Bevölkerung zu brechen und das Vertrauen der Bevölkerung in die eigene Regierung zu schwächen.

Dieses „moral bombing“ bedeutete aber auch, dass die Luftangriffe hauptsächlich auf die deutsche Zivilbevölkerung abzielten und die Zerstörung kriegswichtiger Ziele fast zur Nebensache geriet.

Da die alliierten Jagdflieger inzwischen die Lufthoheit über Deutschland errungen hatten, wurde die Idee des „moral bombing“ in die Tat umgesetzt und von 1941 bis Kriegende flogen die Maschinen des Typs Lancaster bzw. auch Halifax der britischen Luftwaffe permanent Angriffe bei Nacht und die B17-Bomber (B17-Boing-Frotress) der US Army Air Forces übernahmen die Aufgabe, tagsüber die deutschen Städte zu bombardieren.

Im Laufe des Luftkrieges wurde die Moral der deutschen Zivilbevölkerung nur zum Teil gebrochen, zum überwiegenden Teil wurde damit genau das Gegenteil erreicht, nämlich ein unbändiger Hass auf den Feind in der Zivilbevölkerung entfacht!

Nicht zuletzt dadurch, dass die Deutschen durch das ständige Bombardement Hunderttausende, überwiegend Frauen und Kinder, im Bombenhagel ihr Leben lassen mussten.

Die Operation eines Luftangriffs lief folgender Maßen ab:
Mehrere hundert viermotorige Bomber, im Pulk fliegend, warteten auf das Angriffszeichen der vorausfliegenden Leit-Maschine, die mit vielen abgeworfenen roten Leuchtkugeln das Angriffsziel markierten.
Dieses Angriffszeichen nannten wir „Christbaum“, wohl wegen der rot strahlenden Leuchtkugeln. Wer unter diesem „Christbaum“ wohnte, oder sich aufhielt, befand sich in höchster Gefahr!
Nun öffneten alle nachfolgenden Maschinen ihre Bombenschächte und die Bomben waren auf dem tod-und verderben bringenden Weg. „Bombenteppiche“, so nannten wir den gleichzeitigen Abwurf der Bomben, das flächendeckende Wirkung hatte.

Von den permanenten Luftangriffen der Royal Air Force und der US Army Air Forces auf fast alle deutsche Städte von 1941 bis Kriegsende 1945, wo u.a. die Großstädte Lübeck – als 1. - Hamburg, Köln, Essen, Berlin und vor allem das gesamte Ruhrgebiet zu leiden hatten. Neben Essen wurden noch mehrere Städte, z.B. Düren zu 90%, und Wesel zu 95% zerstört, um nur paar Städte unter vielen zu nennen.

Selbst kleinste Orte, wie z.B. Heimbach/ Eifel mit nur knapp 1000 Einwohnern wurden dem Erdboden gleichgemacht. Zynischer Weise wurden vor dem Angriff über dem Ort englische Flugblätter abgeworfen, deren deutscher Text lautete: „Heimbach im Loch, wir finden dich doch“! Man muss wissen, Heimbach liegt im engen Tal der Rur! Eine Perversion ohne Gleichen.

Dann wurden die Luftangriffe im Rahmen der Operation Crossbow noch intensivierter und erreichten bis zum Kriegsende ein nie gekanntes Ausmaß. Da war dann letztendlich die totale Zerstörung Dresdens mit ca. 25.000 Toten der absolute Höhepunkt des Bomben-Terrors!

Diesen furchtbaren Luftkrieg gegen Deutschland habe ich, damals 11-jährig, als Augen- Zeitzeuge selbst erlebt! Man muss sich einmal vorstellen, wir Kinder, aber auch unsere Mütter, konnten sich vor dem Zubettgehen nicht vollständig entkleiden, weil in der Nacht beim Heulen der Sirenen Luftalarm ausgelöst wurde und dann keine Zeit zum Ankleiden blieb, weil man ja nicht im Schlafanzug den kalten Luftschutzraum aufsuchen konnte, bevor die ersten Bomben fielen.

Dieses Szenario wiederholte sich fast Nacht für Nacht in den Kriegsjahren. Sogar am Heiligabend und Weihnachten flogen die feindlichen Bomber ihre Angriffe auf Deutschland, was wir Kinder unglaublich, unmenschlich und grauenhaft fanden.
Frauen und Kinder befanden sich zu jenen Zeiten wirklich mittendrin im Kriegsschauplatz und mussten jeden Tag um ihr Leben bangen.

So wurden wir Kriegs-Kinder durch das schreckliche Geschehen und ihrer Angst unweigerlich schwer traumatisiert. Damals dachte aber noch niemand an eine psychologische Betreuung! Sie war auch nicht möglich, weil die Ärzte sich meist an der Front befanden.

Wie soll man nun den alliierten Luftkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung beurteilen? Ich nenne es ganz einfach so:

Das war ein eindeutiges Kriegsverbrechen!

Diese berechtigte Anschuldigung hatte noch nie ein deutscher Politiker an die Adresse der Siegermächte gewagt.
Nicht nur nach meiner Meinung war Sir Arthur Harris ein Kriegsver­brecher, der ebenfalls beim Kriegsver­brecher-Prozess in Nürnberg auf die Anklagebank gehörte! Die Siegermächte sahen das leider anders, nur Deutsche gehörten in die Kategorie Kriegsverbrecher!

Allen Ernstes wollten nach Kriegsende einige verblödetet Deutsche „Bomber Harris“ in Deutschland ein Denkmal setzen(!), was aber doch von besonnenen Leuten vereitelt wurde, die noch Gespür für Gerechtigkeit hatten.

Zum Schluss nenne ich noch ein gravierendes Kriegsverbrechen der US-Amerikaner in 1945:

Die totale Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis durch Atombomben!

Bild-Grau_C-right.jp Ausgeführt ebenfalls durch die US Army Air Forces! Dazu reichte es jeweils mit nur einem B17-Bomber und einer (Atom-) Bombe an Bord! Die mit einer unvorstellbaren Explosion auf einen Schlag gleich hunderttausenden den Tod brachte! War diese Aktion „nur“ ein Atombomben-Test an „lebenden Objekten“?

Man könnte daraus solche Schlüsse ziehen, denn der Krieg war doch schon längst für Japan verloren und die Kapitulation stand kurz bevor! War dies ein zynischer US-Racheakt und Vergeltung wegen des Blitzangriffs japanischer Flugzeuge am 7. Dezember 1941 auf Pearl Harbor/ Hawai?

Fazit:

Meine Anschuldigungen in diesem Artikel hätte ich nicht gemacht und veröffentlicht, wenn nicht immer wieder die deutsche Kollektivschuld vom Bundespräsidenten Gauck in jeder seiner Reden vorkäme, die mich mal wieder gehörig nervte! Nicht nur Bundespräsident Gauck fährt auf dieser Schiene, sondern fast alle anderen deutschen Politiker auch.

Gewiss, die deutschen Kriegsverbrechen, im Besonderen die Gräueltaten in den KZ’s sind mit nichts zu entschuldigen und bleiben ein sehr finsteres Kapitel deutscher Geschichte.

Es muss aber doch endlich nach mehr als 70 Jahren auch einmal Schluss mit der Selbstkasteiung sein, ab meiner Generation (Jahrgang 1933) ist wegen des Alters kein einziger Deutscher schuld an den Nazi-Verbrechen. Die Nazi-Übeltäter sind doch längst tot und begraben.
Hat man jemals von den Siegermächten eine Selbstanklage erlebt? Alle Völker der Erde haben dunkle bis tiefschwarze Flecken auf ihrer weißen Weste.

Darum Herr Gauck, lassen Sie sich eines sagen: Sie können noch so oft Ihre mahnenden Worte an das Volk und im Besonderen an die deutsche Jugend richten, die Geschichte lehrt uns, dass jede Generation noch nie aus den Fehlern ihrer Vorfahren gelernt hat und deshalb immer wieder ihre eigenen Fehler und manchmal auch Schandtaten begeht.

Also mäßigen Sie sich bitte mit Ihren pauschalen Anklagen und Mahnungen, denn eine alte Weisheit besagt auch:

Weniger ist oft mehr!


Friedhelm Rubach

Nachfolgend sehen Sie eine Link-Liste:

Die 10 blutigsten Nächte der Geschichte im Überblick

  • 1. 01 Die Bartholomäus-Nacht
  • 2. 02 Das Massaker von Glencoe
  • 3. 03 Der Trojanische Krieg und das Trojanische Pferd
  • 4. 04 Karl der Große und das Blutgericht von Verden
  • 5. 05 Reichskristallnacht
  • 6. 06 Zerstörung Magdeburgs im 30-jährigen Krieg
  • 7. 07 Mord an der russischen Zarenfamilie 1918
  • 8. 08 Bombenangriff auf Dresden 1944
  • 9. 09 Das Massaker von Srebrenica
  • 10. 10 Kindermord von Bethlehem


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