Wie Pharao Tut-anch-Amun zur goldenen Mumie wurde

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Ankunft des Zuges mit dem toten Tut-anch-Amun vor seinem Grab im Tal der Könige. Die Mumie liegt in der Barke, mit dem man den Toten zum letzten Mal über den Nil gerudert hat. Wegen der sandigen Wege ruht die Barke auf einem Schlitten, den die Edlen des Reiches ziehen. Vor ihnen geht der Totenpriester, hinter der Barke folgt der Streitwagen des Pharao.

Die Mumifizierung des Tut-anch-Amons

Die Szene war gespenstisch. Als der Trauerzug vor dem Grab Tut-anch-Amuns ankam, nahmen Priester die Mumie aus den drei menschenförmigen Särgen und stellten sie aufrecht auf einen Sandhaufen in den Grabeingang. Dort stand schon die Ka-Statue des toten Herrschers, die Statue seines zweiten Ich, seiner Lebenskraft. Dann trat der nur mit einem Leopardenfell bekleidete Sem-Priester (Totenpriester) zu der Mumie. Während er Beschwörungsformeln murmelte, berührte er ihr Gesicht zweimal mit einem Querbeil, wie man es zum Bäumeschälen verwendet, und einmal mit einem Feuersteinmesser. Danach wiederholte er das Ritual an der "Ka"-Statue.

Im selben Augenblick warfen einige Sklaven einen Ochsen zu Boden. Mit einem einzigen Hieb trennte ein Priester das rechte Vorderbein des lebenden Tieres ab, reichte es dem Sem-Priester, und dieser hielt es an den Mund der Mumie. Dazu wurden Trankopfer dargebracht und Weihrauch entzündet. Tut-anch-Amun-3-Saerge.JPG Bevor die Priester den Toten wieder in seine drei Särge zurücklegten, verteilten sie Amulette auf seinem Körper. Dann trugen sie den Pharao in das Grab und legten ihn in einen Sandstein-Sarkophag. Sofort begannen Schreiner damit, die vier äußeren olzschreine um den Sarkophag herumzubauen. Einige Stunden später wurde das Grab verschlossen und der Eingang - zum Schutz gegen Grabräuber - mit Geröll zugedeckt.

Tut-anch-Amun_Totenmaske-130x180.JPG So bezog Tut-anch-Amun sein neues Haus in der "anderen Welt", in der die Toten nach Meinung der Ägypter weiterlebten. Mit der Zeremonie vor seinem Grab wurde Tut-anch-Amun wieder zum Leben erweckt. Das bedeutete die Mund-Öffnungs-Zeremonie, bei der der Sem-Priester das Gesicht der Mumie berührte und dadurch Ohren, Augen, Mund und Nase öffnete. Durch den Weihrauch und die Trankopfer erhielt der Körper Wärme und Feuchtigkeit zurück. Die Amulette bewirkten, dass Herz und Kreislauf wieder anfingen zu arbeiten und das Rückgrat wieder beweglich wurde. Das rechte Ochsenbein, das der Priester an den Mund der Mumie hielt, gab dem Toten seine Körperkraft wieder. Man glaubte, dass die Kraft des Tieres in seinem rechten Bein steckte. Aber es musste von einem lebenden Tier sein, denn ein totes hatte keine Kraft mehr.

Und seine Lebenskraft erhielt der Tote zurück, während der Priester die Mund-Öffnungs-Zeremonie an der Statue des Ka wiederholte, die die Züge des Pharao trug und die ihm mit ins Grab gegeben wurde, Als die Priester Tut-anch-Amun im Grab zurückließen, konnte er nach Meinung der Ägypter wieder sehen, hören, sprechen, atmen, essen und seine Gliedmaßen bewegen. Er lebte wieder, durch sein "Ka".

Dieses "Ka" bildete zusammen mit dem Leib, dem Namen, dem Schatten, dem "Ach" und dem "Ba" den lebenden Menschen. Bei seinem Tod flog das Ach (vergleichbar dem Geist) zum Himmel und umkreiste fortan den Polarstern. Dadurch wurde der Tote ein Teil des Universums und unsterblich, Das Ka, sein zweites Ich, wurde mit ihm geboren und bestimmte sein Leben. Es war verantwortlich für Krankheit und Gesundheit, für Glück und Leid, für Stärke und Schwäche und für die Lebensdauer. Beim Tod eines Menschen begann das Ka sein eigenes Leben, blieb aber bei dem Verstorbenen im Grab, wohnte in der Ka-Statue und kehrte wieder in die Mumie zurück. Das Ba (vergleichbar der Seele) vereinigte sich mit dem Sonnengott Re und ging jeden Abend mit der Sonne auf ihre nächtliche Reise durch die Unterwelt und kehrte morgens zurück, um den Toten zu besuchen. Deshalb trugen Schmuckstücke und Grabbeigaben eine Sonnenscheibe und deshalb beerdigten die Ägypter ihre Toten dort, wo die Sonne unterging. Tal der Koenige.JPG Das Tal der Könige im Westgebirge von Theben, wo Tut-anch-Amuns Grab lag, war so ein Platz. Das Gebirge galt als Haus der Sonne, in das sie jeden Abend einzog.

Für die Ägypter waren Ka und Ba keine abstrakten körperlosen Geister. Sie waren wirkliche Wesen und brauchten einen Aufenthaltsort für die Ewigkeit. Und der beste Aufenthaltsort war für sie natürlich der Körper des Toten selbst. Also musste auch er für die Ewigkeit erhalten werden. Ka und Ba mussten den Körper aber erkennen können, zu dem sie gehörten und immer wieder zurückkehrten. Deshalb musste der Tote wie zu Lebzeiten aussehen, musste seine Identität gewahrt bleiben. Für Ka und Ba waren auch die Speisen die wichtigsten aller Grabbeigaben. Zerstörung der Speisen oder Verlust der Speisen bedeutete auch Zerstörung von Ka und Ba und somit Verlust der Unsterblichkeit. In Wandmalereien wurden Szenen wie Bier brauen, Wein keltern und Brot backen dargestellt, oder es wurden Figuren mitgegeben, die diese Arbeiten verrichteten. Dadurch wurde gesichert, dass der Tote stets genügend zu essen und zu trinken hatte.

Der Tote lebte also durch sein zweites Ich weiter. Und alle Zeremonien, die Mumifizierung, die riesigen Gräber mit ihren Wandmalereien, die vielen Grabbeigaben und die Särge mit den Gesichtszügen des Toten dienten nur dem einen Zweck, dieses Weiterleben nach dem Tod zu sichern. Viele Völker glaubten (und glauben) an ein Weiterleben nach dem Tode. Aber sie stellten sich darunter etwas anderes vor als eine Fortsetzung ihres Erdenlebens. Vor allem glaubten sie nicht, dass der Verstorbene dieses Leben beeinflussen kann.

Nicht so die Ägypter. Sie verabscheuten den Gedanken an den Tod als das Ende allen Daseins. Sie lebten viel zu gern, hatten zuviel Spaß an Frohsinn und Festen, an gutem Essen und Trinken, an Familienleben und Alltag, als dass sie sich damit abfinden mochten, dass dies alles mit dem Tod vorbei sein soll. Sie taten ihr Bestes, sich selbst davon zu überzeugen, dass der Tod nicht das Ende eines Lebens bedeutet, sondern nur eine Veränderung - wie die Jahreszeiten beispielsweise. Bei ihnen lebte der Tote körperlich weiter, wenn auch in einer anderen Art. In ihrer Vorstellung glich das Leben in der Unterwelt des Grabes dem Erdendasein. Und alles, was ihnen in diesem Leben gefiel und woran sie Spaß hatten, versuchten sie in das neue Leben mitzunehmen. Dazu gehörten Möbel, an denen ihr Herz hing. Manche Reiche kauften sich sogar besonders schöne Dinge für ihr Grab. Und hatte ein Mann einen Harem, bekam er auch in sein Grab eine Vielzahl von Frauenfigürchen mit.

Allerdings war das nicht von Anfang an so. In frühen Zeiten wickelten die Ägypter ihre Toten in Matten oder Felle und bestatteten sie in flachen Gräbern im Wüstensand. Der trockene heiße Wüstensand entzog dem Körper die Feuchtigkeit, die die Bakterien brauchen, um ihr Zerstörungswerk zu vollbringen. Der Körper verweste also nicht, sondern trocknete aus und blieb erhalten. Diese Entdeckung verstärkte bei den frühen Ägyptern den Glauben an das Weiterleben nach dem Tode, vielleicht entstand er dadurch sogar erst. Für das Weiterleben aber benötigte der Tote Dinge, die er zu Lebzeiten auch gehabt hatte. Dadurch mussten die Gräber größer werden. Dort aber kamen die Leichen nicht mehr mit dem konservierenden Wüstensand in Berührung, sondern waren der Luft ausgesetzt und verwesten. Dadurch wurde jedoch das Weiterleben des Toten unmöglich.

So kamen die Ägypter auf die Idee, ihre Toten zu Mumifizierung-01.JPG mumifizieren, was sich allerdings nur die Oberschicht leisten konnte. Die breite Masse beerdigte ihre Toten immer in Matten oder Felle gehüllt im Wüstensand. Zwar unterschieden sich die Methoden und die Art, wie die Leinenbinden um den Toten gewickelt wurden, von Dynastie zu Dynastie. Aber generell galt für die Mumifizierung: Entfernung der Eingeweide, Austrocknen des Körpers, Einwickeln von Kopf bis Fuß und Wiederherstellung des Aussehens wie zu Lebzeiten.

Als erstes wurde das Gehirn entfernt, aber erst ab der 18. Dynastie (etwa 1551 v. Chr.). In einigen Fällen wurde es durch ein Loch im Kopf herausgeholt, meistens jedoch mit Drahthaken durch die Nasenlöcher herausgezogen. Was dabei im Kopf blieb, wurde durch Medizin aufgelöst und floss heraus. Das Gehirn brauchte man nicht, denn nach Meinung der Ägypter war das Herz der Sitz von Verstand und Gefühl. Das Herz war das Organ, das für die Götter alle guten und schlechten Taten aufzeichnete, die ein Mensch während seines Lebens beging. Der Totengott Osiris wog das Herz mit einer Feder als Gegengewicht, um zu entscheiden, ob der Tote "glücklich" weiterleben dürfe.

Mumifizierung-02.JPG Deshalb blieb das Herz im Körper oder wurde wieder zurückgelegt, wenn die Eingeweide entfernt waren. Dazu machte ein Priester einen fast neun Zentimeter langen, roten senkrechten Strich auf der linken Bauchseite. Ein zweiter Priester öffnete den Bauch mit einem "äthiopischen Stein" - einem Feuersteinmesser. Sofort danach rannte er aus dem Raum, während andere Priester bereitliegende Steine nach ihm warfen. So verlangte es der uralte Ritus. Menschen, die einen anderen körperlich verletzten, galten als böse und mussten bestraft werden. Vor der 18. Dynastie wurde oft auch eine Öl-Harz-Lösung, ähnlich dem Terpentin, durch den After in den Körper gefüllt und nach einigen Tage wieder abgelassen. Die Eingeweide zersetzten sich und flossen mit ab.

Mumifizierung-03.JPG Danach wurde der Körper mit Palmwein gewaschen und in Natron gepackt, das die Ägypter von ihren Salzseen hatten, wo es durch die Verdunstung des Wassers entstand. Das Natron entzog dem Körper die Feuchtigkeit, was etwa 35 Tage dauerte. Damit sich der Körper dabei nicht verformte, wurde er mit Kräutern, Stroh und Stoff ausgestopft, die man später wieder entfernte.

Nach dem Austrocknen wuschen die Priester den Körper mit einer Mischung aus Palmwein, Weihrauch, Zedernöl, Myrrhe, Kümmel, Milch, Wachs, Natron und Zimt. Damit begann die Zeremonie der Wiederherstellung. In späten Dynastien wurden Leinensäcke mit Sägespänen in den Körper gelegt, um ihm seine lebensechte Form wiederzugeben. Manchmal wurden auch an verschiedenen Körperstellen Schnitte angebracht und durch sie Sand und Lehm, vermischt mit Konservierungsmitteln, zwischen die Haut und das darunter- liegende Muskelgewebe gedrückt. Das Material wurde verteilt und geformt, bis der Tote wieder seine ursprüngliche Figur hatte. Den Sezierschnitt im Bauch nähte man zu oder verschloss ihn mit einer Bienenwachs- oder Goldplatte. Danach bestrich man den Toten mit einer dicken Schicht einer Paste aus flüssigem Harz und Fett, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit in die Poren der Haut eindringen konnte.

Mumifizierung-06.JPG Zuletzt wurde der Körper mit Leinenbinden umwickelt, die oft in eine klebrige Masse getaucht waren. Man begann mit den Fingern und den Zehen, die einzeln umwickelt wurden, und hüllte dann den ganzen Körper ein, Zwischen die einzelnen Schichten legten die Priester Amulette, die dem Toten in der neuen Welt helfen sollten. Wangen und Nase stopfte man mit kleinen Leinenflecken aus, ebenso die Augenhöhlen. Die Lider wurden geschlossen. Danach wurde das Gesicht modelliert, oft malte man Augenbrauen, Augen und Mund auf die Binden, Zuletzt wurde die Gesichtsmaske darübergelegt.

Wer es sich leisten konnte, ließ die Maske und den innersten menschenförmigen Sarg aus purem Gold anfertigen. Es galt als die unverwesliche Haut der Götter. Und zum Konservieren wurde deshalb Harz verwendet, weil man in ihm das Blut des Totengottes Osiris sah.

Die Eingeweide wurden getrennt behandelt. Nach dem Trocknen wurden sie mit Parfüm besprüht und mit flüssigem Harz übergossen. Man legte sie - Leber, Lunge, Magen und Gedärme getrennt - in vier Eingeweidesärge, die die Gesichtszüge des Toten trugen und im Grab nahe bei ihm aufgestellt wurden, Erst nach der 18. Dynastie, also nach Tut-anchAmun, wurden die Eingeweide unter den Schutz bestimmter Götter gestellt, deren Köpfe die Särge verschlossen: Der menschenköpfige Amset bewachte die Leber, der pavianköpfige Hapi die Lunge, der hundköpfige Duamutef war für den Magen zuständig und der falkenköpfige Kebehsenuf für die Gedärme. Ab der 20. Dynastie legte man die Eingeweide wieder in die Mumie zurück, und die Särge standen leer im Grab.

Übrigens beruht die Bezeichnung Mumie auf einem Irrtum. Schlecht einbalsamierte Körper später Dynastien waren oft schwarz und spröde. Man glaubte deshalb, die Ägypter hätten ihre Toten mit Bitumen (Erdpech) konserviert, was jedoch nicht zutrifft, wie neue Forschungen ergaben. Und "Mumiya" ist das arabische Wort für Bitumen.

So unterschiedlich auch die Methoden waren, eines blieb - wahrscheinlich ab Ende des Alten Reiches, also ab etwa 2134 v. Ohr, - immer gleich: Die Mumifizierung, von der Sezierung bis zur Einbalsamierung, dauerte genau 70 Tage. Das hatte nicht nur technische Gründe, sondern auch religiöse. Die Ägypter verehrten Osiris auch als Fruchtbarkeitsgott. In dieser Eigenschaft starb Osiris jedes Jahr und ging in das Einbalsamierungshaus der Unterwelt, um sich auf seine Wiedergeburt vorzubereiten. Sie geschah, wenn der Nil über die Ufer trat und die Felder wieder fruchtbar wurden. Am Sirius, dem hellsten Stern unseres Himmels, entdeckten die Ägypter, dass der Stern (wie die meisten Fixsterne) an 70 Tagen im Jahr unsichtbar blieb, nämlich dann, wenn er am Taghimmel steht und von der Sonne überstrahlt wird.

Man brachte das Verschwinden des Sirius mit dem Tod von Osiris in Verbindung, denn der Stern galt als Teil des Fruchtbareitsgottes, weil er im Sommer mit der Nilüberflutung wieder am Himmel erschien. Da der Stern 70 Tage lang unsichtbar war, musste also die Einbalsamierung des Gottes 70 Tage dauern. Diese Frist übernahm man für die Toten. Und damit sie eingehalten werden konnte, legte man die Körper ab der 11. Dynastie in pures Natron, das sie schneller und besser austrocknete. Früher verwendete man dazu eine Natronlösung. Bei Königin Meres-anch aus einer Dynastie des Alten Reichs dauerte die Mumifizierung noch 272 Tage.

Genauso wichtig wie die Erhaltung des Körpers war auch die Erhaltung der Identität des Toten. Denn Ka und Ba mussten ihn erkennen können. Deshalb die Maske und die Figuren mit den Gesichtszügen des Toten, deshalb seine Abbildung und auch die genaue Wiedergabe seiner Kleidung auf den menschenförmigen inneren Särgen. Wie viele dieser Särge ein Toter bekam, hing von seinem Geldbeutel ab. Denn seine Darstellung und die magischen Sprüche, die ihn in seinem neuen Leben begleiten sollten, fanden auf einem Sarg Platz, und einmal hätte genügt. Man verfuhr bei mehreren Särgen lediglich nach der Devise "Doppelt hält besser". Ein Toter wurde erst wirklich ausgelöscht, wenn man seine Abbildungen und sein Grab zerstörte.

Im Totenreich sollten die Pharaonen ewig Urlaub haben

So ist es zu verstehen, dass manche Pharaonen dies mit ihren Vorgängern taten, wie Haremhab die Abbildungen - vielleicht auch die Gräber - von Echnaton und Nofretete verwüsten ließ, die als Ketzer galten, Nicht nur, damit das Volk sie nicht mehr sehen konnte und sie so in Vergessenheit gerieten - also aufhörten zu existieren. Dadurch, dass man ihnen ihre Gräber zerstörte, wurden sie zu Niemanden und konnten in der neuen Welt nicht leben.

Osiris.JPG Wie es dort zuging, war im Totenbuch vermerkt. Darin hieß es beispielsweise: "Nach dem Tod leben, im Totenreich nicht arbeiten müssen, in den Westen eingehen und wieder herauskommen, Verklärungen und Verherrlichungen erleben, keinen Kot essen und keinen Urin trinken, im Gefolge des Osiris sein (s. Wandgemälde des Osiris, rechts)." Kurz gesagt - ein ewiger Urlaub, bei dem man nur die schönsten Seiten des Lebens auskostete. Das konnte ein Ägypter erlangen, wenn er reich genug war, die Vorschriften des Toten buchs zu befolgen und ein Exemplar davon mit ins Grab zu nehmen, damit auch alles so klappte, wie es darin stand. Aus diesem Totenbuch ist ersichtlich, dass alles, was mit dem Tod zusammenhing, teuer und aufwendig war. Schon das Buch selbst war kostspielig, denn es wurde von hoch- bezahlten Schreibern abgeschrieben. Wer weniger Geld besaß, bekam nur die wichtigsten Passagen mit, hatte somit auch in der neuen Welt nur das Lebensnotwendigste.

Zu einem ewigen Urlaub gehört auch, dass man nicht arbeiten muss. Deshalb hatten die Toten Grabfiguren bei sich - je mehr, desto besser. Das waren Schawabti (Fröner) und Uschebti (Antworter). Sie hatten die Pflicht, für den Toten zu antworten und zu arbeiten, wenn der Totengott die Verstorbenen zur Fronarbeit aufrief. Bei Tut-anch-Amun fand man 413 dieser Figuren, Er hatte für jeden Tag einen Arbeiter (365), für jede Dekade einen Aufseher (36) und für jeden Monat einen Oberaufseher (12).

Bei Tut-anch-Amun fand man außerdem etwa 130 Stöcke und nahm an, dass er eine Vorliebe für Spazierstöcke hatte. Man nahm bisher auch an, dass er ermordet wurde, weil er ein Loch im Kopf hat und überraschend starb. Neueste Forschungen werfen diese Vermutungen jedoch über den Haufen. Der Pharao war krank, An welcher Krankheit er genau litt, ist noch unbekannt. Bisher weiß man nur, dass es eine Erkrankung der Knochen gewesen sein muss und dass er gehbehindert war.

Diese Theorie wird durch Abbildungen untermauert, auf denen der Pharao beim Bogenschießen sitzt. Ein gesunder Mann hätte das keinesfalls getan. Tut-anch-Amun hatte also weniger eine Vorliebe für Spazierstöcke, sondern brauchte sie, um sich darauf zu stützen. Und das Loch im Kopf kann durchaus von einem Sturz herrühren, den er aufgrund seines Gebrechens erlitt.

Es gab Pharaonen, die während ihrer Regierungszeit Großes leisteten. Von ihnen spricht niemand, weil ihre Gräber unbekannt oder verwüstet sind, Tut-anch-Amun war elf Jahre alt, als er den Thron bestieg, und regierte neun Jahre lang, ohne etwas Nennenswertes zu erreichen. Aber er ist der Pharao, von dem man spricht und den man besucht. Er lebt also - weil sein Körper und sein Grab erhalten geblieben sind. So abwegig war also der Gedanke der alten Ägypter gar nicht.

Karin Haglund
(gefunden im PM-Magazin 6/1980)


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