Gewalt ist ansteckend

GewaltTyp.jpg Jugendliche greifen viel eher zur Waffe, wenn sie selbst einmal Zeugen einer bewaffneten Auseinander­setzung waren. Das bestätigt eine US-Studie, die den Wurzeln gewaltsamen Verhaltens nachging.

Der federführender Autor der Studie "Firearm Violence Exposure and Serious Violent Behavior", der Sozialmediziner Felton Earls von der Harvard Universität in Boston, vergleicht Gewalt mit einer Infektionskrankheit: "Mit jedem gewaltsamen Verbrechen, das wir verhindern können, beugen wir einer Kaskade von Folgeverbrechen vor." Das persönliche Erleben von Gewalt verdopple bei jungen Menschen das Risiko eines eigenen Gewaltaktes innerhalb der folgenden zwei Jahre.

Die Untersuchung basiert auf Interviews mit 1.500 Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Stadtteilen von Chicago über einen Zeitraum von fünf Jahren und geht nach Angaben ihrer Autoren weit über die sonst üblichen Fragen hinaus. Demnach hat das Erlebnis einer gewaltsamen Konfrontation mehr Einfluss auf künftige gewalttätige Tendenzen eines jungen Menschen als alle anderen Faktoren von Armut über Drogenmissbrauch bis zur problematischen Familiensituation.

Die Forscher verglichen junge Leute, die unter ähnlichen schwierigen Verhältnissen aufwuchsen, aber Zeugen oder auch nicht Zeugen einer Gewaltszene geworden waren.

Noch ein anderer Aspekt gibt auf die Frage nach der Gewaltbereitschaft Jugendlicher auch noch eine andere Antwort: Wenn Jugendliche auf ein wehrloses Opfer einprügeln, reagieren sie offenbar nicht nur angestaute Aggressionen und Frustrationen ab. Womöglich bereitet ihnen die Gewalt Lustgefühle wie Sex und Drogen.

Darauf deuten Experimente mit Mäusen hin, die Wissenschaftler um Craig Kennedy von der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee) jetzt durchgeführt haben. Gewaltakte aktivieren demnach das Belohnungssystem im Gehirn der Tiere. Für ihre Experimente hielten die Forscher Mäusepärchen in einem Käfig, wobei sie das Weibchen regelmäßig für kurze Zeit gegen eine Maus aus einer anderen Gruppe austauschten. Darauf reagierte der Hausherr stets ungehalten und attackierte den unwillkommenen Gast. Dabei machte ihm diese Rauferei anscheinend Spaß. WWarum soll dieser Anreiz nicht auch bei Menschen funktionieren. Demnach müssten bei den Gewalttätern neue Therapien angewandt werden.

Quellen: P.M. Magazin/ Spektrum der Wissenschaft

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